Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 35 = N.F. 23 (1896))

Die Verfolgung beweglicher Sachen nach Entwurf B.G.B. 457
unschädlich zu machen. Warum also ein todtgeborenes Kind
in das Standesregister eintragen 4 * * * 8) ?
All das liegt eigentlich so auf der Hand, daß man nur
immer gespannter darauf wird, zu erfahren, was man sich denn
eigentlich bei dem § 918 gedacht hat.
Ich glaube, ich habe es erraten. Kein praktischer Zweck
freilich ist es, dem der § 918 zu dienen bestimmt ist, sondern
ein rein theoretischer: die herkömmliche Theorie vermag sich
ein Rechtssystem ohne „Eigenthumsklage" nicht zu denken,
und der § 918 soll sie daher in unser neues Recht hinüber
retten.

4) In gewissen Fällen allerdings ist der 8 918 dem Kläger vortheil-
hafter. Aber auch sie können ihm das Sterberegister nicht ersparen. Ich
habe folgende zwei ausfindig gemacht.
1) Gesetzt, A hat die Sache an B geliehen, B sie an C verkauft, C
sie an D geliehen oder verpfändet. Dann hat A gegen D die Klage aus
tz SIS nur dann, „wenn dieser beim Erwerbe des Besitzers nicht in gutem
Glauben war"; die Klage aus 8 918 dagegen geht in diesem Falle auch
gegen den gutgläubigen D, aber allerdings nur unter der Voraussetzung,
daß statt des bösen Glaubens des v der böse Glaube des 6 bewiesen wird.
Dies ergiebt sich aus 8 918 Absatz 3, wonach im Falle eines mittel-
baren Besitzes die Rechtsvermuthung für den mittelbaren Besitzer gilt.
Dies ist nach 8 7SO der 6. Gegen ihn richtet sich also der sog. Gegen-
beweis, und zu diesem Gegenbeweis gehört in den Fällen eines nicht un-
freiwilligen Besitzverlustes, wie wir ftüher gesehen haben, auch der Nach-
weis des bösen Glaubens dessen, dem die Rechtsvermuthung zu Gute kommt.
Dieser Unterschied zwischen den beiden Paragraphen hat aber offenbar gar
keinen Sinn.
8) A hat die Sache an B geliehen, dem B ist sie gestohlen, verloren
gegangen oder sonst abhanden gekommen und jetzt im Besitz des 6. Dann
hat A die Klage aus 8 919 nur, wenn 6 „bei dem Erwerbe des Besitzes
nicht in gutem Glauben war", die Klage aus 8 918 dagegen auch gegen
den gutgläubigen 6. Dies folgt in ähnlicher Weise aus 8 918 Absatz S
Verb, mit 8 848. Wenn aber die Klage gegen den gutgläubigen 0 in diesem
Fall einem Bedürfniß entspricht, so gilt das auch von der Klage eines jeden
Nichteigeuthümers, und derselbe Zweck läßt sich dann auch durch einen
Zusatz zu 8 919, und zwar sehr viel einfacher, erreichen.

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