Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 35 = N.F. 23 (1896))

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C. Lrome,

dieses Wort sich vielfach recht zu helfen weiß. Und doch, das
Wort ist Schall und Rauch; ja es ist schädlich, wenn die
Fassung des Gesetzes ungeschickt ist; denn die Solidarität tritt
überhaupt nicht ein, wenn die besonderen Prämissen fehlen.
Der eine Ausschlußgrund der Solidarität ward schon erwähnt:
wenn nämlich sich ermitteln läßt, durch welchen der ver-
schiedenen Theilnehmer an der unerlaubten Handlung der ent-
standene Schaden ausschließlich herbeigeführt worden ist. Hier
haften die anderen nicht weder nach den Pandekten, noch heut-
zutage noch nach dem Entwurf. Dagegen schweigt der letztere in
§ 753 von dem Falle, da ein ungleicher Antheil der
Herbeiführung des Schadens seitens einzelner Theilnehmer er-
mittelt ist. Soll dieser Antheil ignorirt, also Solidarität
statuirt werden, oder soll der zweite Satz des § 753 analogisch
dahin ausgedehnt werden, daß der gesammte Schaden diesen-
falls entsprechend zu theilen und der Betreffende für seinen
Antheil, die Andern aber nicht für diesen Antheil haftbar
seien? Und wenn man arg. der entsprechenden Stelle der
Digesten 1. 11 § 2 ad 1. Aqu. sich für das letztere entscheiden
will, warum sagt man es nicht, um so mehr als doch der
I. Entwurf es sagte (wiewohl mit Unrecht nur für den Fall
von nicht gemeinsamem Handeln der Mehreren), und daher
der Einwurf gemacht werden kann, eine solche Bestimmung
habe neuerdings beseitigt werden sollen! Soll uns denn jeder
Nächstliegende Rechtssatz nur durch einen Prozeß erkauft werden?
Ist das die Verdeutlichung 6), die gegenüber der entsprechenden
Fassung des I. Entwurfs an dieser Stelle beabsichtigt wurde?
Eine derartige ungleiche Vertheilung des zu leistenden
Schadensersatzes ist aber beispielsweise geboten, wenn beim

5) Conrad's Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik,
3. Folge Bd. 5 S. 252 -253.

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