Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

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Adolf Merkel,

Punkt der des Zweckmäßigen subftituirt, die Willenstheorie
ausdrücklich verworfen. Dort wird die eine, hier die andere
Seite des subjektiven Rechts vortrefflich erörtert, aber die
begriffliche Zusammenfassung derselben nicht ernstlich versucht.
An sich ist klar, daß der Machtgesichtspunkt keinen zureichenden
Maßstab für die Vertheilung und Abgrenzung der Rechte dar-
bietet, über das Warum ihrer Ausdehnung oder Beschrän-
kung und ihrer Wandlungen erschöpfenden Ausschluß nicht
geben kann, daß er also das „elg nav" der Juris-
prudenz nicht sein könne; und andererseits ist es ebenso ge-
wiß, daß die Substanz des subjektiven Rechts nicht das
Interesse sein könne, so gewiß es sich vom objektiven Rechte
herleitet. Denn das objektive Recht verleiht ja den Einzelnen
keine Interessen, sondern stattet sie mit Rücksicht auf be-
stimmte Interessen mit einer gewissen, diesen Interessen an-
gepaßten Macht aus. Hiernach scheint eine korrekte Begriffs-
bestimmung, welche jenen beiden Elementen ihre richtige
Stellung giebt, keine Schwierigkeiten darzubieten. Aber
Jhering'S Sorge um eine logische Korrektheit seiner De-
finitionen war stets geringer, als sein Bestreben, die jeweils
in Betracht kommenden Elemente der Rechtsverhältnisse voll
zur Anschauung zu bringen *).
Auch behauptet sich bei ihm dieser Dualismus der An-
schauungen über das Recht. In seinem „Kampf umS Recht"
findet der Machtgesichtspunkt eine neue und geistvolle Ver-
tretung, während der „Zweck im Recht" sich ganz dem Zweck-
momente zuwendet.
In diesen beiden Schriften spricht sich die Persönlichkeit
Jhering'S am deutlichsten auS. Im „Kampfe" sein Charakter,
seine Mehrbarkeit, die Stärke seines Rechtsgefühls, die ganze
Kraftnatur des Mannes, im „Zweck" die früher geschilderte
1) Man vergleiche hierzu die Ausführungen Jhering'S in Scherz
und Ernst, S. 360.

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