Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

Jhering.

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Theil einer spezifisch nationalen Kultur in dem Sinne, wie es
dies bei den Griechen und im älteren Rom gewesen ist, Lei
den modernen Völkern dagegen so wenig ist, wie ihre Moral,
Sitte und Religion ein lediglich nationales Gepräge haben.
Jhering wollte in seinem Geiste u. A. zur Anschauung
bringen, wie, in welchen Formen und wodurch das römische
Recht, aus nationaler Wurzel sich entwickelnd, in der Periode
der klassischen Jurisprudenz über die Sphäre des bloß Na-
tionalen sich erhebt, um als ein Kulturelement von univer-
sellem Gepräge zusammen mit anderen Kulturelementen ana-
logen Charakters der modernen Welt überliefert zu werden.
Wäre dies anders, so würde ja bei der Wiedererstarkung unseres
nationalen Lebens das Ziel nur sein können, dieses Recht ganz
und gar und so rasch als möglich aus unserem Rechtsleben
auszuscheiden, ein Ziel, das jener Schule so fern wie möglich
lag. Was ferner den nationalen Ursprung betrifft, so be-
gnügte sich die Schule mit der Zurückführung des Rechts auf
den Volksgeist, die Volksüberzeugung. Jhering dagegen
sucht die diesen Volksgeist konstituirenden geistigen Kräfte zu
erkennen und ihren Antheil an der Bildung des Rechts im
Einzelnen klarzulegen. Er bekämpft ferner die Anschauung
der Schule von dem unbewußten Werden und Wachsen des
Rechts aus dem mystischen Schoße des Volksgeistes heraus.
Seine Meinung ist, und er hat darin Recht, daß bei der Aus-
bildung der eigenthümlichen Existenzformen des Rechts von
Anfang an bewußte Willensbethätigung und reflektirende Ver-
standesarbeit betheiligt gewesen seien. Und seine Geschichte
des älteren römischen Rechts soll den Beweis dafür erbringen.
Im Zusammenhang damit gelangt er zu einer anderen Schätzung
der gesetzgeberischen Arbeit. Der einseitigen Bevorzugung des
Gewohnheitsrechts seitens der Schule setzt er mit Leist und
Andern die eminente Bedeutung des Gesetzes für den Prozeß

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