Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 68 = 2.F. 32 (1919))

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v. Schwind,

Lungen auch unter sich noch der verschiedensten Kombinationen
fähig sind. In der so eröffneten klaren Einsicht liegt das
Mindestmaß des dogmatischen Gewinnes, den diese Lehre
auch für das Privatrecht der Gegenwart gewährt. Und so
möchte ich für die allgemeine Wertung der Lehre von Schuld
und Haftung zu folgendem Ergebnis gelangen, das in den
weiteren Ausführungen zum Teile noch seine Bestätigung
finden soll: Es erscheint mir ganz unbestreitbar, daß das
ganze Berständnis der g e s ch i ch t l i ch e n Entwicklung unseres
heimischen Obligationenrechts bis in die Gegenwart her-
ein mit dem Einblick in diese Grundbegriffe steht und fällt,
nicht minder das Verständnis so mancher Phänomene in
einigen anderen bisher untersuchten Rechten primitiver Zeit;
und darüber hinaus ist für das moderne Recht meines Er-
achtens zum mindesten das eine zuzugeben, daß die klare
Erfassung des begrifflichen Gegensatzes den Weg öffnet für
eine klarere Erfassung der Gestaltung unseres heutigen Rechts.
Darüber hinaus geht meine Ueberzeugung allerdings dahin,
daß das volle Verständnis und ein befriedigender Einblick
in das moderne Recht auf anderem Wege nicht zu er-
reichen ift1).
Für die Anordnung des Stoffes gebe ich ohne weiteres
Punschart und v. Gierte zu, daß begrifflich auszugehen
wäre von der Schuld. Aber da es sich hier nicht um einen
begrifflichen Neuaufbau des Systems, auch nicht um eine
1) In dieser Beziehung erscheint es mir höchst bezeichnend,
daß Hell mann, der gerade in seinen letzten Jahren der heftigste
Gegner der auch hier vertretenen Richtung war und zumal
die Uebertragung dieser begrifflichen Scheidung aufs DBG. bis
an sein Ende mit allen Mitteln bekämpfte, doch selbst — wenn
auch unter anderem Namen — die beiden Elemente Schuld
und Haftung in seiner Polemik immer wieder zu unterscheiden ge-
nötigt war.

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