Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 68 = 2.F. 32 (1919))

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v. Schwind,

möchte, die große Gefahr in sich, daß sie so manches nicht
klarer macht, sondern nur verwickelter gestaltet und verwirrt;
sie trägt die Gefahr in sich, daß sie das theoretisch Wert-
vollste dieser Theorie, nämlich ihre klärende Kraft, beein-
trächtigt und trübt.
Diese Besorgnis ist mir der unmittelbare Anlaß dafür
gewesen, daß ich die folgende Studie ausarbeitete und ver-
öffentliche. Dabei finde ich daneben den willkommenen An-
laß, hinzuweisen auf manchen tieferen Einblick, den wir gerade
diesen neueren Ausführungen verdanken, die noch nachdrück-
licher zeigen, als wir es vordem gewußt, welch unendlicher
reicher Anpassungskraft und Mannigfaltigkeit unser Recht
der Schulden und Haftungen fähig ist. gegenüber dem starren
und nicht differenzierten Obligationsbegriff der älteren roma-
nistischen Lehre.
Ehe ich auf alle diese Fragen eingehe, sei mir noch eine
kurze persönliche Bemerkung gestattet. In allen Teilen
meiner Ausführungen werde ich Anlaß haben, auf die kraft-
vollen Arbeiten zurückzukommen, die Strohal diesem Ge-
biete gewidmet. Bei unserem letzten Zusammensein um Ostern
1913 haben wir so manche derselben in schönen gemeinsamen
Wanderungen in Bozens Umgebung besprochen, wobei mir
die reichste Anregung zuteil geworden, gewiß nicht am wenig-
sten dort, wo mir manches Bedenken erstanden. Wer hätte
damals ahnen können, daß Stroh als kräftige und tempe-
ramentvolle Persönlichkeit die Schrift, die ihn damals so
lebhaft beschäftigte, kaum überleben sollte. In freundschaft-
licher Erinnerung liegt mir ein Stück Wehmut über jenen
Tagen und über jenen Gesprächen. Weit froheren Sinnes,
als es heute möglich ist, hätte ich diese Studie geschrieben
in der Vorstellung, ich könnte sie schließlich in Erinnerung
an die gemeinsamen Bozener Tage dem trefflichen Manne

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