Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 65 = 2.F. 29 (1915))

Emil Strohal.

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geboren. „In Graz", so sagte er mir einmal, „da Hab' ich
doch jeden Sonntag meine Schöcklpartie gehabt" (der Schockt
ist ein als Ausflugsort beliebter Berg nördlich von der
Stadt, in einigen Stunden zu erreichen). Auch an geistiger
Anregung fehlte es nicht. Zwar wird die Steiermark, in
der die Wirkungen der Gegenreformation und der „Aus-
rottung der Besten" noch heute merkbar sind, gewöhnlich
nicht zu den regsamsten österreichischen Provinzen gerechnet,
und selbst ihre Hauptstadt ist mehr durch ihre ästhetischen
Vorzüge als durch industrielle oder sonstige geistige Regsam-
keit bekannt. Doch ist dieses Urteil schon an sich mit Reserve
aufzunehmen, und für Strohal lagen die Verhältnisse be-
sonders günstig. Zunächst mag er sich schon durch das
politisch sehr lebhafte, wenngleich etwas einseitig deutsch-
nationale Empfinden der Stadt angeregt gefühlt haben;
außerdem umfaßte die Universität eine Anzahl bedeutender
Gelehrter, mit denen er in enger Fühlung stand. Schon
als Privatdozent hatte er sich mit dem kurz nach ihm
in Graz habilitierten Franz v. Liszt zusammengefunden
(1875), der ihm auch im lebhaften deutschen Empfinden
verwandt war und von da ab in lebenslänglicher Freund-
schaft zugetan geblieben ist. „Ich habe", schreibt mir
v. Liszt, „Strohal bei meiner Habilitation in Graz
(1875) schon als Privatdozenten vorgefunden. Er im-
ponierte mir sofort als der bedeutendste unter den jüngeren
Kollegen; nach ihm der geistvolle und schöngeistige Grawein.
Die Dozentenabende brachten uns bald näher. Strohal
und ich waren regelmäßig die letzten beim Aufbruch und
wandelten oft noch lange in lebhaftestem Gespräch auf und
ab. Juristerei und Politik waren die Themata. Strohal
ist bis in die letzten Lebensjahre derselbe geblieben. Sie
wissen also, wie er damals war. Nur noch lebhafter und

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