Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 65 = 2.F. 29 (1915))

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Otto Fischer,

wie neuerer Zeit Stellung genommen werden muß, so soll
damit keineswegs die Förderung verkannt werden, welche
diese Theorien der Wissenschaft des internationalen Privat-
rechts gebracht haben.
Während das Völkerrecht nur die Beziehungen
der unabhängigen menschlichen Verbände, insbesondere der
Staaten zueinander regelt, umfaßt das internationale Recht
im weitesten Sinne alle rechtlicher Ordnung zugänglichen
Beziehungen, deren örtliche Anknüpfungspunkte in ver-
schiedenen Staats- oder Rechtsgebieten liegen. Es handelt
sich dabei nicht nur um das Privatrecht, sondern auch um
Strafrecht, Gerichtsbarkeit, Staats- und Verwaltungsrecht,
Kirchenrecht. Analoge Erscheinungen ergeben sich innerhalb
der katholischen Kirche aus dem Verhältnisse des lateinischen
und des orientalischen Ritus. Für den hier verfolgten
Zweck genügt es, lediglich das internationale P r i v a t r ech t
ins Auge zu fassen.
Um zum internationalen Recht im engeren und
eigentlichen Sinne zu gelangen, muß man sich vergegen-
wärtigen, daß internationale Rechtsverhältnisse auf ver-
schiedene Weise geregelt sein können. Sie können zunächst
durch gemeinsames Recht ganz oder teilweise geordnet sein,
wie z. B. die wechselrechtlichen Verhältnisse zwischen Oester-
reich und dem Deutschen Reich der deutschen Wechselordnung
unterstehen, oder durch das internationale Uebereinkommen
über den Eisenbahnfrachtverkehr vom 14. Oktober 1890 für
alle Vertragsstaaten in Art. 8 bestimmt ist: „Der Fracht-
verkehr ist abgeschlossen, sobald das Gut mit dem Fracht-
briefe an der Versandstation zur Beförderung angenommen
ist." Die rechtliche Lage ist dann gerade so wie bei einem
Rechtsverhältnis, das seine sämtlichen Anknüpfungspunkte
nur in einem einzigen Rechtsgebiete hat.

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