Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 65 = 2.F. 29 (1915))

Der Erwerb des Pflichtteilsanspruches. 123
merkte, ein sicherer Ausdruck des Habenwollens; zum anderen
fallen alle Gründe, die beim Zedenten eine persönliche Ent-
scheidungsfreiheit über die Geltendmachung des Pflichtteils-
anspruches notwendig machten, in der Person des Zessionärs
fort: das ihm übertragene Recht stellt bei ihm nichts dar
als einen gewöhnlichen Vermögensbestandteil.
Man wird aber ohne allzu große Kühnheit weiter-
gehen und eine Pfändbarkeit des Pflichtteilsanspruches
überall da annehmen, wo der Berechtigte in sonstiger Weise
sein Haben- oder Behaltenwollen unzweideutig bekundet
hat, z. B. durch Erklärung gegenüber dem Erben oder dem
Testamentsvollstrecker. Eine analoge Anwendung des
§ 852 wegen vollständiger Gleichheit der rechtspolitischen
Gesichtspunkte würde mir wenigstens nicht zu weitgehend
erscheinen.
Dagegen kann die Beerbung des Berechtigten durch
einen Dritten keine entsprechende Wirkung auslösen: viel-
mehr wird das Entscheidungsrecht über.Habenwollen des
Pflichtteils sinngemäß ebenso als vererblich anerkannt
werden müssen, wie es das Recht zur Ausschlagung einer
Erbschaft oder eines Vermächtnisses nach BGB. §8 1952,
2180 ift.

Zum Schluß noch die Bemerkung, daß unsere Frage
auch schon für das Gemeine Recht überall da auftauchen
konnte, wo auf den Pflichtteil nur ein obligatorischer An-
spruch bestand, also für das Gebiet der actio Zupplctoria.
Ich habe aber in der Literatur darüber wenigstens bei kurzer
Durchsicht fast nichts gefunden. Nur K ö p p en *) beschäftigt

1) Erbrecht § 102 bei Anm. 4-5, S. 669.

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