Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 65 = 2.F. 29 (1915))

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Ludwig Mitteis,

genau kannte, das Motiv dafür mit Sicherheit erraten
können. Ehrgeiz und Eitelkeit, die Untugenden, die leider
bei so vielen „Führern ihres Volkes" den inneren Beruf
zur Führerschaft abgeben, waren seiner reinen und absolut
sachlichen Denkungsart vollkommen fremd, und sein klarer
Verstand mochte erkennen, daß die Berufspoliük, namentlich
die parlamentarische, und unter Verhältnissen, wie sie ihm Vor-
lagen, keine fruchtbare, positive Tätigkeit bedeuten konnte,
viel eher ein charakterverderbeudes Schwanken von einem
Kompromiß zum anderen. Das widerwärtige Schlagwort
von der zeitweiligen „Zurückstellung der Prinzipien", welches
sogenannte Führer des Deutschtums in Oesterreich im Jahre
1895 geprägt haben, um einen vorübergehenden Schimmer
der Macht zu erlangen, zeigt deutlich die Abgründe, an
welchen die politische Laufbahn vorbeiführt. Für Strohals
Feingefühl war übrigens noch ein anderes Motiv vor-
handen, um sich der parlamentarischen Tätigkeit zu ent-
ziehen : dieses den Mann so recht kennzeichnende Motiv er-
hellt aus einem etwa im Jahre 1883 geschriebenen Brief
an Franz v. Liszt: „Wer sich auf die praktische Politik
verlegt", heißt es da, „bedarf vor allem finanzieller Unab-
hängigkeit. Professor heißen und nicht sein, von der Be-
soldung leben und Opposition machen, ist in meinen Augen
etwas entsetzlich Ungehöriges."
II.
So erblickt denn der Jüngling sein eigentliches Ziel
bald ausschließlich in der Wissenschaft, und zwar liegt es
in der Richtung des geltenden österreichischen Zivilrechts.
Und hier kündigt sich schon bei seinem Eintritt in die lite-
rarische Arena jene Schicksalsgunst an, die seine spätere
Wirksamkeit so hoch emporheben und seinen eigentlichsten

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