Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 41 = 2.F. 5 (1900))

Die Wahl bei der Wahlschuld.

67

Also ist es nicht anders: will man dem Gläubiger nicht
den recht bedenklichen Schadensanspruch wegen Verzuges zu-
billigen, so muß man anerkennen, daß die Vorschrift des
§ 263 II nicht allgemeiner Anwendung fähig ist.
So bethätigt sich hier, wie auch anderweit in der Lehre
von der Wahl, die Beobachtung: daß es recht gefährlich ist,
wenn der Gesetzgeber im Hinblick auf einzelne Fälle von dem
bisher geltenden Recht abgeht. Allerdings wäre es ja auch
verkehrt, das alte Recht bloß wegen seines ehrwürdigen Alters
um jeden Preis zu erhalten. Aber eins darf man nicht ver-
gessen : in der langjährigen Anwendung des Rechts bilden sich
die Rechtssätze nach den wichtigsten unzählig vieler Fälle. Das
geschichtlich entwickelte Recht arbeitet mit einem außerordentlich
reichhaltigen und werthvollen Material — das freilich nicht in
dicken Bänden gedruckt vorliegt. Der Einzelne dagegen, der
über zweckmäßige Vorschriften nachsinnt, wird sich dabei noth-
wendig immer nur auf eine beschränkte Zahl und Art von
Fällen stützen können. Daher werden nicht selten seine Be-
rechnungen unzureichend und seine Folgerungen einseitig sein.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer