Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 41 = 2.F. 5 (1900))

28

Franz Leonhard,

Die Wahl erfolgt durch Erklärung gegenüber dem anderen
Theile.
Die gewählte Leistung gilt als die von Anfang an allein ge-
schuldete.
Danach scheint es, als ob das Gesetz als Wirkung der
Wahl eine vollkommene Vereinfachung vorschreibe, was auch
die Absicht seiner Verfasser gewesen ist. Es ist schwer, über
diesen Wortlaut hinwegzukommen und anzunehmen, daß die
gewählte Leistung in gewissen Richtungen nicht als die allein
geschuldete gelte. Allerdings kann man sich zur Unterstützung
dieser Auslegung auf den § 243 berufen, wo ein ganz ähnlicher
Ansdruck gewählt und dennoch eine eingeschränkte Auslegung
nothwendig ist. Dort heißt es nämlich:
Hat der Schuldner das zur Leistung einer (nur der Gattung
nach bestimmten) Sache seinerseits Erforderliche gethan,
so beschränkt sich das Schuldverhältniß auf diese Sache.
Nun sprechen bei der Gattungsschuld dieselben verschieden-
artigen Interessen der beiden Betheiligten mit, wie bei der
Wahlschuld. Ueberhaupt unterscheiden sich beide meiner Ansicht
nach nur durch die Art, auf die die Unbestimmtheit der Leistung
abgegrenzt wird, so daß es auch Uebergänge zwischen beiden
Schuldarten giebt. Daher kann die Vereinfachung auch hier
einem Jeden zum Nachtheil gereichen. Das Gesetz läßt deshalb
mit Recht nicht zu, daß eine einseitige Erklärung die Kon-
zentration herbeiführe. Was dann ferner den Verzug anlangt,
so kann ein Leistungsverzug des Schuldners dessen Lage nur
insoweit verschlechtern, als er jetzt auch bei Untergang der
ganzen Gattung haftet. Für den Fall des Gläubiger-Verzuges
muß nun entsprechend gelten, daß der Schuldner durch nach-
träglichen Untergang befreit wird. Dazu muß eine Verzug-
setzung freilich erst ermöglicht werden. Und deshalb mußte
dabei bestimmt werden, daß die Erfüllung der Schuldnerpflicht

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer