Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 41 = 2.F. 5 (1900))

DaS eigenhändige Testament.

305

folgt. Im ersten Falle ist es ein Verhalten, durch das ihre
Vollziehung erfolgt oder sowohl beginnt als zum Abschlüsse
gelangt. Im zweiten Falle besteht sie aus mehreren Be-
ftandtheilen und hat sie begonnen, sobald ein Beftandtheil
derselben vorliegt, während sie erst abgeschlossen ist, wenn
ihre s ä m m t l i ch e n Bestandtheile vorliegen. Von einem Ver-
halten, das ein B e ft a n d t h e i l derselben ist, muß aber streng
unterschieden werden ein Verhalten, das sie nur vorbereitet.
Zur Beobachtung jenes Verhaltens bedarf es der zur Voll-
ziehung des Rechtsgeschäftes erforderlichen Geschäftsfähigkeit
und thatsächlichen Willensfähigkeit, wie wir die Abwesenheit
eines nach § 105 Abs. 2 des B.G.B. die Möglichkeit rechts-
geschäftlichen Handelns ausschließenden Zustandes nennen können.
Zur Beobachtung eines die Vollziehung einer Willenserklärung
nur vorbereitenden Verhaltens bedarf es keiner Geschäfts- und
Willensfähigkeit. Meine Vollziehung oder Abgabe einer brief-
lichen Erklärung erfolgt, wenn dieselbe keiner Form bedarf, da-
durch, daß ich die Absendung des Briefes vollziehe oder an-
ordne. Die Niederschrift des Briefes ist kein Beftandtheil der
Vollziehung der Erklärung. Sende ich ihn ab als ein ge-
schäftsfähiger und bei klarem Bewußtsein befindlicher, so ist es
gleichgültig, ob ich ihn geschrieben habe als ein noch nicht
geschäftsfähiger Knabe oder als ein schwer berauschter und da-
durch „im Zustande der Bewußtlosigkeit oder vorübergehender
Störung der Geistesthätigkeit" befindlicher. War aber die
Erklärung eine solche, die der schriftlichen Form bedurfte, so
ist zwar nicht die Niederschrift, aber doch die Unterzeichnung des
Briefes nicht mehr eine bloße Vorbereitung, sondern schon ein
Beftandtheil der Vollziehung der Willenserklärung. Die Noth-
wendigkcit der schriftlichen Form bedeutet, daß für die Voll-
ziehung der Willenserklärung die Namensunterschrift erfor-
dert i ch ist, aber n i ch t, daß sie dafür g e n ü g t; die Vollziehung

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer