Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 62 = 2.F. 26 (1913))

Fragen der Besitzlehre.

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auch unter Mithilfe des Dieners, ganz entstanden, der Diener
hat einen faktischen, keinerlei rechtlichen Anteil an der Ent-
stehung des Besitzes *).
b) So kannte seit jeher und immer das römische Recht
Gehilfen beim Besitzerwerbe, ebenso wie bei der Ausübung des
Besitzes 1 2) und behandelte sie ganz richtig als willenlose Werk-
zeuge. Dabei ist nicht etwa die Anwesenheit des Herrn3)
und nicht die untergeordnete Stellung des Gehilfen ent-
scheidend, sondern beides und zugleich die ganze Situation,
namentlich die bei der Behandlung des Dieners hervor-
tretende Absicht des Herrn. Denn sowie die Situation sich
ändert, wird auch die Stellung des Dritten eine andere. Der
Herr bleibt noch immer der wesentlichste Faktor beim Besitz-
erwerbe, der Besitzwillen gehört ihm allein, und noch immer
bedient er sich des Dritten zur Realisierung seines Willens:
allein dieser ist nicht mehr willenloses Werkzeug. Der Dritte
wirkt zwar auch jetzt nur bei der Herstellung des Besitzes
corpore mit, aber die Mitwirkung ist nicht mehr bloß eine
physische. In die naturalis possessio ist ein psychisches
Moment, ein Willensmoment, gelangt4): der Dritte muß den
Willen haben, corpore den Besitz für den Besitzherrn her-

1) Vgl. Pininski, Der Tatbestand des Sachbesitzerwerbs 2,
229 in der Anmerkung; Schloßmann, a. a. O. 137 Anm. 1 a. E.;
Hirsch, Die Prinzipien des Sachbesitzerwerbes und -Verlustes 139ff.;
Kniep, Besitz §21; Scheurl, Zur Lehre vom römischen Besitz-
recht 134; Regelsberger, Ueber Besitzerwerb durch Mittels-
personen, in JheringsJ. 44, 394 ff.; Roh de, Studien im Besitzrecht
Abschnitt XIX S. 14 ff., Abschnitt IX S. 45 ff.
2) Vgl. die gute Charakterisierung solcher Detentionsgehilfen
bei Lenel, Stellvertretung und Vollmacht, in JheringsJ. 36, 84f.
3) Siehe 1. 31 § 1 D. de don. 39, 5 — Frag. Vat. 254 (Papi-
nian. 687), wo trotz Anwesenheit der Frau der Mann nicht etwa
bloß als Gehilfe im Sinne des Textes erscheint.
4) Vgl. Goldschmidt, a. a. O. 122 bei Anm. 3f.

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