Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 62 = 2.F. 26 (1913))

Fragen der Besitzlehre.

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übergeben hat. Wofür aber — muß man weiter forschen —
kann das fraglich sein, für die Schenkung oder für die Ueber-
gabe? Die Antwort kann nur lauten: für die Schenkung.
Denn bei dieser kann es nach der lex Cincia darauf ankommen,
in welchem Verhältnis Schenker und Beschenkter zueinander
stehen, nämlich ob es sich um eine persona excepta oder
non excepta handlei). Und es käme dann darauf an,
wenn es sich um die Gültigkeit der Schenkung handeln würde.
Das Reskript sagt also zunächst: in die Frage nach der Gülüg-
keit der Schenkung wird hier nicht eingegangen; hier soll ledig-
lich die Frage nach dem Besitzerwerb des Kindes beantwortet
werden. In dieser Hinsicht sei zunächst zu sagen, daß, wenn
dem Kinde vacua possessio, freier Besitz, eingeräumt würde,
es das Besitzkorpus erwürbe, mag es auch vollständig willens-
unfähig fein1 2 3): „corpore quaeritur“, heißt es im Reskript2).
Hat es aber den Besitz erworben, ist hiermit die Tradition
vollzogen? Diese Frage ist mit dem „corpore quaeritur"
noch nicht beantwortet, weil zum corpu8 noch der animus
possidendi hinzutreten müßte. Die Frage ist also: hat das
Kind den animus possidendi? In dieser Hinsicht sei zu
unterscheiden. Der infans, qui fari nequit, der vollständig

1) Siehe Savigny, a. a. O. 259f. (Zusatz zur 7. Ausgabe),
und Rudorfs im Anhang Nr. 77 S. 648; Scheurl, a. a. O. 124 f.
2) Vgl. 1. 26 pr. 0. de don. 8, 58 (1. 2 C. Theod. 8, 12) von
Konstantin aus dem Jahre 316: Si quis in emancipatum minorem,
priusquam fari possit aut habere rei quae sibi donatur
adfectum, fundum (italicum sive stipendiarium) crediderit con-
ferendum, omne ius compleat instrumentis ante praemissis (et in-
ductione corporaliter impleta) . . .
3) corpore suo rem contingant, sagt Paulus vom furiosus
und vom willensunfähigen infans in 1. 1 8 3 D. h. t. (oben S. 11);
stehe dazu Goldschmidt, a. a. O. Ilis.
LXII. 2. F. XXVI.

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