Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 62 = 2.F. 26 (1913))

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Adolf Last,

sionem. pupillus tamen etiam sine tutoris auctoritate
possessionem nancisci potest, item infans peculiari nomine
per servum possidere potest.
Nach beiden Stellen kann der infans Besitz tutore
auctore erwerben, und Paulus läßt in beiden keinen Zweifel
darüber, daß er den vollständig willensunfähigen infans meineZ.
Darin liegt eine dreifache Ausnahme: die auctoritas tutoris
bei einem dem Kinde vorteilhaften Erwerbsakte1 2), ferner inter-
poniert für einen infans3), endlich interponiert für einen voll-
ständig willensunfähigen infans4), bei dem sie also nichts zu
ergänzen, sondern den Willen ganz zu ersetzen hat5). Deshalb
sagt 1. 32 § 2: „utilitatis enim causa hoc receptum est."
Eine zweite Singularität wird gefolgert aus dem viel
erörterten Reskript des Decius aus dem Jahre 2506):
1. 3 C. de adq. et ret. poss. 7, 32:

1) In I. 1 Z 3 ist — wie schon oben S. 12 nach Anm. 3 be-
merkt wurde — vom pupillus, also vom impubes und vom infans,
die Rede. Soweit aber der letzte in Frage kommt, wird er dem
fmiosus oder dem dormiens gleichgestellt. In 1. 32 § 2 heißt es:
nullus sensus est infantis accipiendi possessionem.
2) L. 9 pr. D. de auct. et cons. tut. 26, 8 (Gaius 267); 1. 8
pr. D. de adqu. vel om. her. 29, 2 (Ulpian. 2476); 1.11 D. de adqu.
r. d. 41, 1 (Marcian. 79); Gai. III 107 § 9, I. de inut. stip. 3, 19,
pr. I. de auct. tut. 1, 21 und dazu 1. 28 pr. D. de pact. 2, 14
(Gaius 62).
3) Daß dies nicht bloß beim Besitzerwerb gilt, siehe Kar-
lowa, Römische Rechtsgeschichte 2, 278; zu den daselbst bezogenen
Quellenstellen noch 1. 9 D. de adqu. vel om. her. 29, 2 (Paulus
1614); 1. 5 D. de cond. et dem. 35, 1 (Paulus) 1614 und 1. 5 D.
r. i. 50, 17 (Paulus 1614).
4) § 10 I. de inut. stip. 3, 19; 1. 5 C. de iur. del. 6, 30.
5) So sind auch die Worte in 1. 32 § 2 h. t.: „iudicium in-
fantis suppletur auctoritate tutoris“ zu verstehen, wie Bangerow
a. a. O. hervorhebt.
6) Die Literatur über diese Stelle bei Wind scheid, Pand.
Bd. 1 ß 155 Anm. 13; dazu Scheurl, Zur Lehre vom römischen

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