Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 62 = 2.F. 26 (1913))

Fragen der Besitzlehre.

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hervorgehoben wird, wird auf das hingedeutet, worin sich die
Verkehrsauffassung beim Besitze geltend macht, nämlich die
tatsächliche Gewalt. Das bedeutet allerdings einen Gegensatz,
zwar nicht zur civilis possessio, aber zum animus possi-
dendi i).
So heißt es in I. 3 § 3 D. h. t. (Paulus 658)1 2):
. solo animo non posse nos adquirere posses-
sionem, si non antecedat naturalis possessio, ideo-
que si thensaurum in fundo meo positum sciam, continuo
me possidere, simul atque possidendi allectum habuero,
quia quod desit naturali possessioni, id ani-
mus implet.“
Hier heißt naturalis possessio offenbar nicht Besitz, d. h.
corpus und animus, sondern nur das erste Element des
Besitzes, zu dem das zweite erst hinzutreten muß, damit Besitz
entstehe.
Ebenso 1. 3 § 13 eod.3):
„. . . res mobiles . . . quatenus sub custodia nostra
sint, hactenus possideri, id est quatenus, si velimus,
na.turalem possessionem nancisci possimus.“
Auch hier bedeutet naturalis possessio nicht den Besitz,
da dieser schon mit der custodia, also bei der bloßen Mög-
lichkeit der Erlangung der naturalis possessio, vor-
handen ist.
1) Vgl. Hruza, Der Sachbesitzerwerb, in GrünhutsZ. 24, 248f.
und die daselbst Genannten; ferner Klein, Sachbesitz und Ersitzung
27ff.; Sokolowski, L)ie Philosophie im Privatrecht 2, 179 bei
Anm. 355 und diese Anmerkung S. 404; Rieeobono, a. a. O. 339
Anm. 2.
2) Siehe zu dieser Stelle Goldschmidt, a. a. O. S. 120 ff.,
179ff.; Hruza, a. a. O. 278ff.
3) Siehe zu dieser Stelle Gold sch midt, a. a. O. S. 59 ff.,
124ff., auch Rohde, Studien im Besitzrecht, Abschnitt VII S. 23 ff.,
auch Abschnitt IX S. 64 ff.

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