Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 62 = 2.F. 26 (1913))

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Adolf Last,

anstreben, nämlich zur Förderung der Erkenntnis des gelten-
den Rechts, wäre das gewiß um so erfreulicher zu nennen.
I. Römisches Recht.
§ 2. Der Besitz eine Berkehrserscheinung.
Seit Goldschmidt kann es wieder nicht nur herrschende,
sondern auch gesicherte Erkenntnis genannt werden, daß der
Besitz im römischen Rechte ein zusammengesetzter Begriff ist.
Das eine der Elemente dieses Begriffes, die taffüchliche Ge-
walt oder — wie die Neueren sagen — das corpus des
Besitzes^), ist eine Verkehrserscheinung. Das hat Gold-
schmidt zuerst in seinem Handbuch des Handelsrechts an-
gedeutet, in seinen Studien zum Besitzrecht näher ausgeführt
und in seinen Grundlagen zur Besitzlehre aus den Quellen,
die in beinahe erschöpfender Fülle benutzt werden, erhärtet1 2 3 4 5).
„Die tatsächliche Gewalt ist ein Machtverhältnis, welches dem
Gemeinbewußtsein als tatsächliche Herrschaft erscheint." Dieses
wesentlichste Ergebnis der Goldschmidtschen Untersuchungen
auf dem Gebiete des römischen Besitzrechts ist immer mehr
anerkannt worden und darf jetzt beinahe als unbestritten^)
bezeichnet werden^).
1) Darüber, daß dieser Ausdruck nicht quellenmäßig ist, sondern
vielmehr erst der jüngsten Zeit angehört, siehe Hruza, Der Sach-
besitzerwerb, in GrünhutsZ. 24, 245 ff.
2) Goldschmidt, Handbuch des Handelsrechts I, 2 Zusatz zu
§ 67 S. 1233; Studien zum Besitzrecht in der Festgabe für Gneist
64 ff.; Grundlagen der Besitzlehre, in den vermischten Schriften 1,68ff.
3) Vgl. Oertmann im ArchBürgR. 20, 220ff.; Kipp in der
ZHR. 52, 297ff.; H. Krüger in der Besprechung der Abhandlung
von Heß, Besitzen heißt gesichert sein, in GrünhutsZ. 25, 485 ff.
4) Siehe statt vieler Ran da, a. a. O. 8 11 Anm. 5.
5) Die Lehre Goldschmidts wird neuestens angefochten von
Krückmann, Sachbesitz, Rechtsbesitz, Rechtsschein in der Theorie des

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