Full text: Zeitschrift für Gesetzgebung und Rechtspflege in Preußen (Bd. 3 (1869))

24.5. W. A. Günther, Kgl. Staatsanwalt, Vorträge und Abhandlungen über Rechtsmaterien. (Berlin 1869, Fr. Kortkampf.)

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Literatur.

Negierungen von Maria Theresia, Joseph II., Leopold II., Franz I. und
Ferdinand I. Für diesen großen, wichtigen Zeitraum bietet das Werk eine
Menge interessanten, bisher unbekannten Materials; die Veränderungen in
der Gerichtsorganisation, der Civil- und Strafrechtsgesetzgebung, sowie in
Bezug auf den Prozeß werden ausführlich unter Berücksichtigung der einzelnen
Kronländer berichtet und charakterisirt. Verkennen läßt sich freilich nicht,
daß der Verf. nicht sowohl eine Rechtsgeschichte im wahren Sinne des Worts,
als vielmehr eine Vorarbeit zu einer solchen geliefert hat. Das Leben des
Volkes selbst zur Anschauung zu bringen, wie es sich in der Bewegung des
Rechts wiedcrspiegelt, ist die Aufgabe der Rechtsgeschichte; dazu gehört aber
doch mehr als das bloße Mittheilen von Gesetzen, Erlassen und Entwürfen.
Ohne daß dieser Anforderung genügt wird, ist eine geschichtliche Darstellung
nicht möglich. Das Verdienst, welches sich der Verf. in der That erworben
hat, soll hierdurch nicht geschmälert werden. Er hat mit großem Fleiße
einen bisher ungebahnten Weg verfolgt und es ist erklärlich, daß er eben
als der Erste sich begnügt hat, die thatsächlichen Grundlagen zugänglich zu
machen. Von diesem Standpunkt aus erscheint seine Arbeit höchst schätzens-
werth; sie enthält eine reichhaltige, keineswegs blos für die Zwecke des öster-
reichischen Rechts verwerthbare Stoffsammlung und es wäre schon viel
gewonnen, wenn wir für andere Territorien z. B. für Preußen ähnliche
Arbeiten besäßen.
Die erste Schrift beschränkt sich darauf, die Entstehung des allgemeinen
bürgerlichen Gesetzbuches darzustellen. Die mannigfachen Irrgänge durch
Kompilations- und Revisions-Kommissionen, die bis zum Zustandekommen
dieses Gesetzgebungswerkes durchzumachen; die widerstrebenden Einflüsse von
Persönlichkeiten und Richtungen, welche dabei zu überwinden waren, werden
hier, wie es scheint, auf Grund von Archivalien eingänglich geschildert. .Die
Entstehungsgeschichte des Gesetzbuches wird dadurch bei Weitem genauer und
ausführlicher bekannt, als dies bisher der Fall war, und bei der großen
Bedeutung, welche der österreichischen Gesetzgebung unzweifelhaft zukommt,
ist dies eine nicht zu unterschätzende Bereicherung unserer rechtsgeschichtlichen
Kenntnisse. Bemerkt mag noch werden, daß derselbe Stoff auch in dem
Werk des Herrn von Domin behandelt wird, daß er aber hier, da er nur
einen Theil des Ganzen bildet, nicht mit demselben Detail geschildert werden
konnte. Beide Werke muffen übrigens, obwohl nicht ganz zu derselben Zeit
erschienen, doch ziemlich gleichzeitig entstanden sein; wenigstens nimmt die
„neuere österreichische Rechtsgeschichte" von der „Geschichte der Kodifikation"
keine Notiz.
Behrend.

24.
U. Ä. Günther, Kgl. Staatsanwalt, Populäre Vorträge und Abhand-
lungen über Rechtsmaterien. (Berlin 1869, Fr. Kortkampf.)
Wie das Vorwort besagt, sind drei Vorträge über den deutschen Adel,
über das Duell, über das Lehen und die Vergesellschaftung in Vereinen für
wiffenschaftliche Unterhaltung gehalten worden; die beiden Abhandlungen über

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