Full text: Zeitschrift für Gesetzgebung und Rechtspflege in Preußen (Bd. 3 (1869))

24.2. Heinrich Brunner, das anglonormannische Erbfolgesystem. Ein Beitrag zur Parentelenordnung nebst einem Exkurs über die älteren normannischen Coutumes. Leipzig, Duncker und Humblot 1869. 88 S.

Literatur.

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diktorischen Verhandlung von einzelnen Garantieen nachgelaffen werden könne,
dürfe es sich mit der Maßgabe rechtfertigen, gegen Abwesende ein, in end-^
gültige Rechtskraft übergehendes Kontumazialurtheil ergehen zu lassen, daß
mindestens für die Fälle schuldloser Versäumnis; die Möglichkeit einer Wie-
dereinsetzung offen gelaffen werde.
Indem der Verfasser es für geboten erachtet, daß die bisherigen Be-
stimmungen über eine Kontumazial-Verhandlung, für alle erheblichere
Straffälle, aus den bestehenden Strafprozeß-Ordnungen beseitigt, beziehungs-
weise in die bevorstehende Deutsche, zunächst Norddeutsche Strafprozeß-Ord-
nung nicht ausgenommen werden, spricht er sich zugleich für Berücksichtigung
folgender Bestimmungen in der letzteren aus:
1) Das Vorverfahren könne auch dann zu Ende geführt werden,
wenn die Vernehmung des Angeschuldigten in demselben nicht bewirkt werden
konnte.
2) Könne die erhobene Anklage dem Angeklagten nicht im gewöhnlichen
Wege zugestellt werden, so sei derselbe, abgesehen von den zulässigen Zwangs-
mitteln. öffentlich aufzufordern, sich zu stellen, um bei Gericht Einsicht von
der Anklage zu nehmen und seine etwaigen Anträge vorzubringen.
3) Die Vorladung zur Hauptverhandlung müsse die Warnung enthalten,
daß der Angeklagte im Falle des Ausbleibens seine Vorführung oder Ver-
haftung zu gewärtigen habe.
4) Bleibe in der Hauptverhandlung der Angeklagte unentschuldigt oder
ohne genügende Entschuldigung aus und könne er nicht durch einen Vor-
führungsbefehl gestellt werden, oder entferne er sich wieder vorzeitig aus der
Verhandlung, so sei diese letzte zu vertagen und vom Gerichte das Nöthige
wegen Stellung und nach Befinden wegen einstweiliger Haft des Angeklagten
zu verfügen.
5) Erscheine die Aussetzung der Beweisaufnahme für Ermittelung der
Wahrheit nachtheilig, so habe das Gericht, entweder von Amtswegen oder
auf Antrag des öffentlichen Anklägers, für die Aufnahme des Beweises zu
sorgen, insbesondere die bisher noch nicht eidlich vernommenen Zeugen und
Sachverständigen eidlich vernehmen zu lassen.
6) In der höheren Instanz könne auch in Abwesenheit des Angeklagten
entschieden werden, soweit es sich nicht um eine neue Beweisaufnahme handele.
7) Die Beschlagnahme des Vermögens und der Verlust von Rechten'
als Zwangsmaßregeln gegen den Abwesenden seien nicht aufzuuehmen.
Rubo.

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Heinrich Srmmer, das anglonormannifche Erbfolgesystem. Ein Beitrag
zur Parentelenordnung nebst einem Excurs über die älteren
normannischen Coutumes. Leipzig, Duncker und Humblot 1869.
8. 88 S.
Die Frage nach der Suceessionsordnung des älteren Deutschen Rechts
ist seit 16 Jahren Gegenstand eines unter den Germanisten lebhaft geführten
Streits. Es-gilt die Existenz der Parentelenordnung, welche von der einen

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