Full text: Zeitschrift für Gesetzgebung und Rechtspflege in Preußen (Bd. 3 (1869))

4.3. Der Gesetz-Entwurf über die juristischen Prüfungen in Preußen

56 Strauch: Der Gesetz-Entwurf über -re juristischen Prüfungen in Preußen.

.; in.
Der Gesetz-Entwurf über die juristischen Prüfungen
in Preußen.
Von dem Dozenten der Rechte Herrn vr. Strauch zu Heidelberg.
Der dem Landtage zugegangene Gesetzentwurf über die juristischen
'Prüfungen und die Vorbereitung zum höheren Justizdienste soll die
vielfach ventilirte Frage der Reform des juristischen Studiums in
Preußen zur Entscheidung bringen. '
Die Art uno Weise aber, in welcher diese Reform durch den im
Herrenhause bereits angenommenen Entwurf erstrebt' wird, erscheint
uns so mangelhaft, daß wir es für eine Pflicht erachten, unsere Be-
denken gegen denselben hier kurz zusammenzufassen, um möglicher Weise
Veranlassung zu einer Amendirung der Vorlage im Abgeordnetenhause
zu geben.
Der K. 1 des ersten Abschnittes behält das akademische Triennium
'bei. Das akademische Triennium ist aber durchaus Ungenügend, um
diejenigen Kenntnisse gründlich zu erwerben, deren Vorhandensein durch
das erste Examen dargethan werden soll. Positive Rechtskenntnisse,
'Einsicht in das Wesen und die Entwickelung der Rechtsverhältnisse,
allgemeine rechtswissenschaftliche Bildung, wie soll der Kandidat dies
Alles in drei Jahren erlangen"? Wie ist es möglich, den Anspruch zu
erheben, daß diese Kenntnisse vorhanden seien, wenn man bedenkt, daß
die Grundsätze des preußischen Rechtes so vielfach von denen des ge-
meinen Rechtes verschieden sind, daß der Kandidat sich auch in den
Staatswissenschaften umgesehen haben soll , daß endlich dH Triennium
'Haisächlich oft zum Biennium wird, indem der Student während eines
Jahres .7seiner Militärpflicht genügt" ? •
Man wende nicht ein, das Gesetz zwingt ja nicht das akademische
Studium in drei Jahren abzuschließen. Thatsächlich übt es diesen
Zwang. Wo das Gesetz ein Triennium für genügend erklärt, gilt der-
jenige unter den Kommilitonen für unfleißig oder für unfähig, welcher
länger als drei Jahre studia ' • '
Die Beibehaltung des Trienniums wird also nothwendig dahin
führen, daß man, weil eben die Studienzeit zu kurz bemessen ist, die
Anforderungen beim ersten Examen herabstimmen muß. Und so wird
der ganze Sporn zu energischer Anstrengung während der Studienzeit,
welcher in der Gewißheit liegt, daß ein strenges Examen beim Abgang
von der Universität bevorsteht, bald wieder verloren sein.

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