Full text: Zeitschrift für Gesetzgebung und Rechtspflege in Preußen (Bd. 3 (1869))

12.6. Corpus juris civilis. Editio stereotypa. Fasciculus II. Digestorum Lib. X.-XXIV. recognovit Theodorus Mommsen. Berolini apud Weidmannos MDCCCLXIX.

Literatur.

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nach dem Recht des Mittelalters der unvermögende (oder widerwillige) Schuld-
ner nicht mehr in Schuldknechtschaft, sondern nur zu dem Zwecke übergeben
wird, denselben nach Art gemietheten Gesindes zu beschäftigen und so seine
Schuld abverdienen zu lasten. Weiter wird nachgewiesen, wie in einzelnen
Gegenden mehr die bloße Gewalt des Gläubigers, den Schuldner in seinem
Gewahrsam zu halten, ohne eigentlichen Arbeilszwang betont und erhalten
wurde. So stand die Sache bis ins 15. Jahrhundert, was namentlich an
dem Beispiel von Frankfurt a. M. erhellt. Dann erst ist man zumeist im
Jntereffe der Gläubiger zu einem öffentlichen Schuldgefängniß gelangt4), ob-
wohl sich Spuren desselben schon in einem Striegauer Statut von 1348 und
dem Kölner Schöffenrecht von 1375 finden. Bis dahin verfolgt der Ver-
fasser eine Entwickelung, welche überall sorgfältig mit Quellen-Nachweisen
belegt ist. Neben diesen ist auch die Literatur benutzt. Die Schrift zerfallt
(abgesehen von den „Prolegomena“) in drei Abschnitte: 1) von der Natur
der Schuld, für welche Jemand im Mittelalter dem Gläubiger hingegeben
wurde; 2) von den Rechten, welche dem Gläubiger aus solcher Hingabe er-
wuchsen; 3) Anhang über das Frankfurter Schuldrecht gegen Ende des 15. Jahr-
hunderts. Ueberall findet sich eine Fülle interessanter Einzelheiten, welche
auch denen einen lohnenden Ertrag ihrer Lektüre in Aussicht stellen, die viel-
leicht dahin gelangen, die Neuheit oder Resultate des Verfassers anzuzweifeln.
In Folge der stattgehaben Debatten ist ja, wie der Verfasser am Schluffe
der Vorrede hervorhebt, die allgemeine Aufmerksamkeit auf das vorliegende
RechtS-Jnstitut noch immer gerichtet. Die fleißige Arbeit darf daher auf
Theilnahme in weiteren Kreisen rechnen. Freilich würde letztere erheblich
wachsen, wenn statt des die Deutschen Quellen-Stellen wunderlich genug unter-
brechenden, obschon fließenden lateinischen Textes eine gute Deutsche Ueber-
setzung in den Buchhandel gelangte. R. Koch.

8.
Corpus juris civilis. Editio stereotype Fasciculus H Digestorum
Lib. X.—XXIV. recognovit Theodorus Mommsen. Berolini
apud Weidmannos MDCCCLXJX..
Bereits Bd. II. S. 790 dieser Zeitschrift ist auf die vorliegende Stereotyp-
ausgabe hingewiesen worden, deren erstes Heft die Institutionen von Krüger
und die ersten neun Bücher der Digesten von Mommsen enthielt. Das gegen-
wärtig erschienene zweite Heft zeugt von dem raschen Fortschreiten des Werks.
Bei der großen Bedeutung, welche eine neue Texteskritik der Justinianischen
Rechtsquellen für die gesammte juristische Welt hat, nehmen wir gern Ge-
legenheit, nochmals auf das Unternehmen zurückzukommen. Der Text der
Institutionen beruht auf einer Kollation der besten Handschriften. Von den-
selben ist gerade die vorzüglichste, die lex Romana canonice compta, die aller-
dings nur etwa ein Drittheil des gesammten Werkes enthält, erst neuerdings

4) Vergl. auch Ullmarm, D. Ger.-Zeitg. N. F. I., S. 44 fg.

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