Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 47 = 2.F. 11 (1904))

Die Adoption des unehelichen Kindes rc.

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„Filios familias non solum natura, verum et adoptiones
faciunt“. Aus diesem Grundcharakter der Adoption als eines
Erwerbsgrundesderpatriapotestas folgte, daß nur
ein homo sui iuris adoptieren konnte2); daß ferner den Frauen
die aktive Adoptionsfähigkeit mangelte. Gaius, I § 104:
„Feminae vero nullo modo adoptare possunt, quia ne
quidem naturales liberos in potestate habent.“ Ulpianus,
8 § 8a: „Feminae vero neutro modo possunt adoptare,
quoniam nec naturales liberos in potestate habent.“ c. 5
pr. C. 8, 47 „A muliere quidem, quae nec filios, habet in
potestate adrogari non posse certum est“. Daraus folgte
ferner, daß der Vater auch seinen eigenen ehelichen Sohn
adoptieren konnte, sofern dieser nämlich infolge Emanzipation
aus der patria potestas ausgeschieden war (1. 12 D. 1, 7:
„Qui liberatus est patria potestate, is postea in potestatem
honeste reverti non potest nisi adoptione“, vergl. auch
1. 41 D. 1, 7; 1. 23 pr. D. 28, 2).
Dieser Charakter der Adoption wurde erst in der späteren
Kaiserzeit verwischt, als die das ganze Civilrecht beherrschende
Tragweite der patria potestas mehr und mehr eingeschränkt
und untergraben wurde und das kognatische Prinzip die Be-
deutung des Agnatenverbandes verdrängte. Diokletian ge-
stattete zuerst (im Jahre 291), daß Frauen „in solatium
liberorum amissorum“ an Kindes Statt annehmen dürften, ob-
wohl sie nicht Träger der hausherrlichen Gewalt sein konnten
(c. 5 C. 8, 47; 1. 21 D. 1, 7; § 10 J. 1, 11). Und Iusti-
nian verordnete (im Jahre 530) ganz allgemein, daß jede von
einem Nicht-Ascendenten vorgenommene Adoption eines filius
2) Sintenis, Das praktische Gemeine Civilrecht, Bd. 3 (1851)
§ 139 Note 10; Stölzel, Das Recht der väterlichen Gewalt in Preußen
(1874), S. 12; Windscheid-Kipp, Lehrbuch des Pandektenrechts, Bd 3
(8. Aufl. 1901) § 523 Note 8.
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