Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 47 = 2.F. 11 (1904))

Die Adoption des unehelichen Kindes rc.

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wort spricht — wie z. B. bei der gesetzlichen Unterhaltspflicht
der „Abkömmlinge" (§§ 1606, 1601), bei dem gesetzlichen
Erbrecht (§§ 1924, 1936), bei der Kollationspflicht (§§ 2050,
2052), bei dem Pflichtteilsrecht (§ 23031) der „Abkömmlinge"
— gehören die unehelichen Kinder niemals zu den „Abkömm-
lingen" des Vaters^). „Abkömmlinge" eines Mannes sind
nach der Grundauffassung des B.G.B. immer nur dessen
„eheliche" Kinder und Kindeskinder-, von „ehelichen Ab-
kömmlingen" eines Mannes zu sprechen, wäre nach dem
System des B.G.B. eine Tautologie.
Wenn daher in § 1741 die aktive Adoptionsfähigkeit aus-
drücklich an das Nichtvorhandensein „ehelicher Abkömm-
linge" geknüpft wird, so wäre die Hinzufügung des Eigen-
schaftswortes „ehelich" ein nichtssagender Pleonasmus, wenn
man ihr mit den Gegnern nur im Hinblick auf den unehelichen
Bater Bedeutung zuschriebe.
Die Eingangsworte des § 1741 hören vielmehr erst dann
auf, in dem Attribut „ehelich" ein müßiges Beiwort zu ent-
halten, wenn man sie auf die uneheliche Mutter anwendet.
Nur Frauen können nach der Anschauung des B.G.B. zwei
Arten von „Abkömmlingen" haben, eheliche und uneheliche;
denn lediglich im Verhältnis zur Mutter (und zu deren Ver-
wandten) ist auch das uneheliche Kind stets deren „Abkömm-
ling" (§ 15890.
Einzig und allein im Hinblick auf die uneheliche Mutter hat
es daher überhaupt einen Sinn, wenn die Sprache des B.G.B.
zwischen ehelichen und unehelichen „Abkömmlingen" unter-
7) Das scheint allgemein anerkannt zu sein; vergl. z. B. Mantey,
Rechte des unehelichen Kindes, S- 55; Strohal, Erbrecht (2. Aufl.), S. 25.
So sind auch im Sinne der §§ 16, 17 des Gewerbeunfallversicherungsgesetzes
die unehelichen Kinder nicht unter den „Kindern des Verstorbenen" zu ver-
stehen. Vergl. Plenarentscheidung des Reichsversicherungsamts vom 12. Juli
1886 (Amtl. Nachrichten des R.V.A., Bd. 2 S. 129).

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