Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 34 = N.F. 22 (1895))

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S. Strohal,

zweiten Lesung wesentlich verbessert worden. Mit einigen
Zweifeln stehe ich nur der Entscheidung gegenüber, welche die
Frage der Lebensvermuthung gefunden hat. Der Entwurf
begnügt sich nicht mit der Aufstellung der Vermuthung, daß
der Verschollene den im Todeserklärungserkenntnisse zu bezeich-
nenden und rücksichtlich der Beerbung des Verschollenen selbst-
verständlich als dessen Todeszeit in Betracht kommenden Zeit-
punkt nicht überlebt habe, sondern er statuirt zugleich die
nach allen Richtungen hin durchgreifende positive Vermuthung,
daß der Verschollene bis zu diesem Zeitpunkte gelebt habe,
und ergänzt diese Vermuthung des § 7 im § 9 noch durch
die weitere Bestimmung, daß das Fortleben eines Verschollenen,
bezüglich dessen eine Todeserklärung noch nicht erfolgt ist, bis
zu dem Zeitpunkte vermuthet werden soll, welcher nach § 7
in Ermanglung eines anderen Ergebnisses der Ermittelung
als Zeitpunkt des Todes anzunehmen ist. Ohne Zweifel wird
hierdurch ein klares und verhältnißmäßig leicht zu handhaben-
des Recht erzielt. Es ergeben sich aber doch auch Bedenken.
Die Gründe, welche die Vermuthung, daß ein Verschollener
einen bestimmten Zeitpunkt nicht überlebt habe, als vollkommen
gerechtfertigt erscheinen lassen, rechtfertigen keineswegs zugleich
auch die Vermuthung, daß jener bis zu diesem Zeitpunkte
allerdings gelebt habe. Ja noch mehr; in allen Fällen, wo
bezüglich des Verschollenen in Ermanglung anderer Anhalts-
punkte anzunehmen ist, daß er den Schluß der Verschollenheits-
frist nicht überlebt habe, spricht ein, wenn auch zur willkür-
lichen Fixirung einer früheren Todeszeit nicht berechtigendes,
so doch nicht geringes Maß von Wahrscheinlichkeit dafür, daß
der Verschollene, wenn überhaupt, schon vor dem Schluffe des
bezeichneten Zeitraums gestorben sei. Die Lebensvermuthung
des Entwurfs bringt daher auch nothwendig die Gefahr mit
sich, daß zum Vortheil eines vielleicht schon Todten und auf

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