Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 45 = 2.F. 9 (1903))

Vorvertrag und die rechtliche Natur der sog. Realkontrakte. 15

führen soll; das Versprechen des Reiseunternehmers A an den
Reisenden B, mit dem Gastwirth u. s. w. 0, E), E ein Ab-
kommen der erwähnten Art zu schließen, vermag dieses Ab-
kommen nickt zu ersetzen, wie das Versprechen des A an B,
ihm, dem B, eine bestimmte Sache zu bestimmtem Preise, oder
Maaren bestimmter Art zu bestimmten oder auf einem ver-
einbarten Wege zu ermittelnden Preisen zu überlasten, den
Kaufvertrag ersetzt oder vielmehr diesen schon darstellt. Die
Verhältnisse, wie sie durch solche Zusagen begründet werden,
übergeht die herrschende Lehre von den Vorverträgen mit Still-
schweigen; sie unterstellt solche Verträge nicht dem Begriff des
Vorvertrages. Sie bieten indes viel begründeteren Anlaß zu
besonderer wistenschaftlicher Betrachtung als die regelmäßig in
dieser Lehre behandelten Thatbestände. In dieser Abhandlung,
die sich nur die Klärung der herkömmlichen Lehre von den
Vorverträgen zur Aufgabe stellt, ist auf sie indes nicht näher
einzugehen *).

l) Bei derartigen Fällen würden drei einander folgende und in-
einander greifende Geschäfte in Betracht kommen: 1) Ein erster Vertrag,
z. B- der Vertrag des Bankiers a mit seinem Kunden 8, durch den er
diesem sich verpflichtet, ihm bei dem Bankhause 6 in X einen offenen Kredit
bis zum Belaufe von 10 000 M oder ein Darlehn von lovvo M. zu
verschaffen. 2) Der Vertrag, in dem a sich von C die Eröffnung des
Kredits für 8 oder die Gewährung des Darlehns an 8 versprechen läßt.
3) Der Darlehnsvertrag, den 8 mit 6 schließt, oder die sonstigen Geschäfte
des 6 mit 6, durch die 8 den ihm verschafften Kredit ausnützt (z. B. durch
Kreditkäufe mit C, Zahlungs- und Kreditanweisungen zu Gunsten Dritter,
Wechseltrassirungen auf C u> s. w ). Soweit übrigens in solchen Fällen dem
Promissar 8 nach den Grundsätzen von den Verträgen zu Gunsten Dritter ein
unmittelbarer Anspruch auf Abschluß dieser Geschäfte, auf Respektirung
seiner Anweisungen, Trasstrungen gegen C zustande, würden die von a mit
B geschlossenen Verträge zu den von 8 mit 6 geschloffenen Geschäften in
dem gleichen Verhältniß stehen, wie ein „Vorvertrag" zu dem „Haupt-
vertrag" im Sinne der herrschenden Lehre: hier würde der Begriff deS
Vorvertrages aber selbstverständlich ebenso wcrth- und zwecklos sein, wie in

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