Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 42 = 2.F. 6 (1901))

Die Haftung für Nachlaßverbindlichkeiten.

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für den Nachlaß nicht verpflichtet ist, mit andern Worten, dast
aus schuldhaften Unterlassungen auf seiner Seite keine Schaden-
ersatzansprüche gegen ihn hergeleitet werden können. So richtig
und selbstverständlich dieser Satz für den Fall ist. daß der
Erbe von dem Rechte der Ausschlagung rechtzeitig Gebrauch
macht (hier folgt er schon aus § 1953), so ungerechtfertigt
erscheint er, sobald die Erbschaft ausdrücklich oder stillschweigend
angenommen worden ist; denn es ist gerade für die in § 1978
geregelten Beziehungen kein Grund erkennbar, weshalb der
Erbe für die ersten 6 Wochen oder Monate nach dem Zeit-
punkte, in dem er von dem Anfall und dem Grunde der Be-
rufung Kenntniß erlangt hat, anders beurtheilt werden soll als
für die spätere Zeit. Außerdem wird es vielfach unmöglich
sein, festzustellen, ob ein bestimmter auf schuldhafter Unter-
lassung beruhender Schade auf die Unterlassung während der
Ausschlagungssrist zurückzusühren ist oder auf die spätere Unter-
lassung. Der romanisirende Ursprung der Unterscheidung ist
unverkennbar.
Die Rechenschaftspflicht des § 666 crgiebt, daß der Erbe
nicht bloß, wie beim eigentlichen Inventar gemäß § 2001, die
bei dem Eintritte des Erbfalls vorhandenen Nachlaßgegenstände
und nicht bloß, wie bei der Herausgabe eines Inbegriffs gemäß
Z 260 den gegenwärtigen Bestand anzugeben hat; vielmehr
hat er den ursprünglichen Bestand des Nachlasses und seinen
Verbleib nachzuweisen. Diese Pflicht geht also noch weiter,
als die eigentliche Inventarpflicht der §§ 1993 fg.; die prozessua-
lische Geltendmachung wird durch den neuen § 254 E.P.O.
erleichtert; hiernach kann der Nachlaßverwalter mit einer Klage
die Vorlegung des Nachlaßverzeichnisses, die Rechnungslegung
und die Leistung des Offenbarungseides durchsetzen und zugleich
in demselben Verfahren, wenn ein Bedürfniß dazu vorhanden
ist, einen vollstreckbaren Titel für das erlangen, was der Erbe

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