Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 42 = 2.F. 6 (1901))

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Hans Reichel,

zerbrechend gemacht hat, dürfte richtig ganz wörtlich auszu-
legen sein.
Pomponius versteht unter Frucht id quod ex (ipso)
corpore est, was aus der Sache und nur aus der Sache
fließt. Gesetzt, schon Pomponius sehe das in obligatione be-
findliche Kapital als corpus an, so fließt die Zinsforderung,
genau genommen, entweder aus der aeeessorischen Zins-
stipulation. also einem Nebenvertrage, oder gar aus Gesetz
oder Richterspruch, jedenfalls aber aus einer nova obligatio,
hat also nach Pomponius eine alia causa, einen anderweiten
Entstehungs- und Rechtsgrund. Titius konnte ja sein Kapital
kreditiren. ohne Intereffen zu bedingen! Die Zinsforderung
ruht also auf der Ausbedingung, nicht aus dem Kapital.
Pecuniae creditae usurae nisi in stipulationem deductae
non debentur (24 D. 19, 5). Das Kapital an sich ist todt,
es produzirt nicht; Parteiwille oder Gesetz ist es, was die Zins-
forderung erzeugt. Also ist der Zins keine Frucht des Kapitals.
Dies ist unseres Erachtens die Ansicht des Pomponius, und
nicht nur des Pomponius, sondern auch anderer Juristen
älterer Zeit gewesen. Sie ist logisch einwandsfrei. Ihre
Prämisse: fructus est quod ex ipso corpore est, ist richtig,
denn sie trifft auf alle bis dahin fructus genannten Dinge
thatsächlich und nothwendig zu. Von ihr aus gelangt Pom-
ponius folgerichtig zu dem Schluffe: da jene Gelderträge nicht
sowohl die Sache selbst, als vielmehr ein Rechtsgeschäft in
Hinsicht der Sache voraussetzen, so sind sie Früchte der Sache
nicht.
Auch nationalökonomisch muß diese Ansicht als richtig
befunden werden. Aus einer Sache kann sich niemals Geld
erzeugen. Die Volksanschauung freilich war und ist anderer
Meinung. Sie stellte und stellt sich z. B. den Zinsen gegen-
über auf einen derb materialistischen Standpunkt. Man be-

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