Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 42 = 2.F. 6 (1901))

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E. Holder,

einer neuen Sache, anderntheils davon, daß innerhalb dieser
nicht der Werth des Stoffes entschieden überwiegt. Nach dem
Texte des Gesetzes kann also trotz des die Entstehung neuen
Eigenthums ausschließenden Uebergewichtes des Stoffwerthes
die Sache dock eine neue sein. Läge eine solche wirklich vor,
so wäre sie, weil sie durch das Gesetz weder dem Verfertiger
noch einem Anderen zuerkannt ist, herrenlos und damit der
Aneignung preisgegeben. Es kann aber kein Zweifel daran
sein, daß in diesem Falle vielmehr das bisherige Eigenthum
sortbesteht, und zwar deshalb, weil die bisherige Sache fort-
existirt, weil also die Sache hier juristisch nicht eine neue
ist. Bezeichnet das Gesetz die Neuheit der Sache nicht als
das juristische Ergebniß einer Bearbeitung von nicht zu ge-
ringem Werthe, sondern als ein solches thalsächliches Ergeb-
niß der Verarbeitung, das neben einem gewissen Werthe der-
selben erforderlich ist, damit das Eigenthum des Verarbeiters
eintrete, so sehen wir uns vergebens nach einem für die
Existenz der erforderlichen Neuheit entscheidenden Merkmale
um. Es liegt nahe, dafür den Sprachgebrauch zu verwerthen
und darauf zu sehen, ob nach ihm' der Sache in Folge der
Verarbeitung ein anderer Name zukommt als bisher. Das zu
einem Tische oder Stuhle, einer Statue oder einem Geräthe
verarbeitete Holz ist nun ein Tisch, Stuhl u. s. w-, der un-
streitig bisher nicht bestanden hat. Ebenso unstreitig exiftiren
aber, wenn ein Baum zu Brettern zersägt ist, nunmehr
anstatt des bisherigen Baumes Bretter, die bisher nicht
existirt haben. Ebenso existiren, wenn ein Thier geschlachtet
ist, anstatt des bisherigen Thieres andere Sachen, die bisher
nicht existirt haben. Der Streit darüber, ob in solchen Fällen
eine vova 8p6cie8 vorliege, ift aber jetzt gegenstandslos, weil
die Verneinung neuen Eigenthums sich aus dem verhältnißmäßig
geringen Werthe der Verarbeitung ergiebt. Wo ausnahms-

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