Full text: Neues Archiv für Handelsrecht (Bd. 2 (1860))

8. Das neue englische Connossements-Gesetz

6. Das neue englische ConnoffcmentS-Gesetz.

UV

s.
Das neue englische Connoffements-Gesetz.

Es war bis vor wenigen Jahren in England eine
Streitfrage, ob der Rheder im Falle einer Connossements-
zeichnung Seitens des von ihm eingesetzten Schiffers schon
hiedurch, oder ober nur durch die Lieferung des indem
Connossemente angegebenen Gegenstandes dem späteren Con-
nossements-Inhaber verpflichtet werdk, so daß z. B., wenn
ein Connossement im Voraus gezeichnet wurde, aber keine
Lieferung der Waare nachfolgte, der Rheder von der
Verbindlichkeit zur Erfüllung des Connoffementes frei sei.
Dies betrifft, wie bemerkt, nur das Verhältniß zu dem späteren
Connoffements-Inhaber; denn daß zwischen dem Rheder
(resp. Schiffer) und dem wirklichen oder angeblichen Ablader
(dem ersten Connoffements-Inhaber) der Thatbestand der
Lieferung oder Nicht-Lieferung entscheidend sei, Das wurde,
wie dies bei uns gemeinrechtlich gilt, so auch in England
als ein Selbstvcrstand angenommen. — Mit anderen Worten,
der spätere Connoffements-Inhaber hatte in England nach
der hier berührten, von mcmchen angesehenen Rechtsgelehrten
vertretenen und auch Rechtssprüchen zu Grunde liegenden
Ansicht nicht, wie bei uns,*) ein in seiner eigenen Person
begründetes absolutes Recht gegen das Schiff, sondern er
mußte sich Einreden aus der Person des Abladers gefallen lassen.
Es leuchtet ein, daß durch das Bestehen eines solchen
Satzes, ja schon durch Rechts-Ungewißheit über denselben,
die Sicherheit des Handels-Verkehrs in einem wichtigen und
häufig in Frage kommenden Theile gefährdet werden mußte.

*) Vgl. z. B. dieses Archiv Bd. I S. 360 u. 488.

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