Full text: Zeitschrift für die deutsche Gesetzgebung und für einheitliches deutsches Recht (Bd. 6 (1872))

8.4. Die Reform des Hypothekenrechts in Oestreich

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A. Exner: Die Reform des Hypothekenrechts

viu.
Die Reform des Hypothekenrechts in Oestreich.
Von Herrn Prof. A. Exner in Zürich.
Seit Anfang der fünfziger Jahre, wo die Einführung der west-
östreichischen Privatrechtsgesetzgebung in den ungarischen Ländern dazu
den äußern Anstoß gab, beschäftigt man sich in Oestreich mit der Re-
form des Hypothekenrechts. Eine längere Reihe von diesbezüglichen
Gesetzentwürfen ist nach und nach publizirt und wieder zurückgezogen
worden, bis endlich in allerneuster Zeit diese Arbeiten nach jahrelangen
Berathungen und zum Theil sehr eingehenden öffentlichen Debatten ihren
Abschluß gefunden haben. Das „allgemeine Grundbuchsgesetz"
für die westöstreichischen Länder vom 25. Juli 1871, welches nach sechs-
monatlicher vacatio legis kürzlich in Kraft getreten ist, wird voraussicht-
lich für eine längere Periode die Basis bilden für die Gestalt und Ent-
wicklung des Jmmobiliarrechts in Deutsch-Oestreich. Das allein ver-
möchte es wohl zu rechtfertigen, wenn hier über Umfang und Richtung
der eben vollzogenen Reform weiteren Kreisen ein Ueberblick gewährt
wird. Dazu kommt, daß schon bisher kaum ein anderer Theil des östrei-
chischen Privatrechts jenseits der Grenzen seines Geltungsgebiets so wenig
gekannt war, als eben das Hypothekenrecht; unverdienterweise, denn es
bietet durch seine unmittelbare Anlehnung an die bekannten deutsch-
rechtlichen Institute, und vermöge der uralten, durch Jahrhunderte stetig
fortgeführten Umbildung der gemeinrechtlichen Dogmen unter der Herrschaft
des Instituts der Jmmobilienbücher, für den Rechtshistoriker und Ger-
manisten manche lehrreiche Seite.
Den Grund jener minderen Bekanntschaft gerade mit dem Hypo-
thekenrecht Oestreichs wird man wohl darin zu suchen haben, daß das
östreichische Gesetzbuch, obzwar prinzipiell als umfassende Kodifikation
gedacht, doch gerade von dieser Rechtsmaterie nur ein ganz ungenügendes,
vielfach sogar schiefes Bild giebt. Die Ergänzung und Berichtigung ist
aus den älteren, durchgehends in letzter Redaktion der zweiten Hälfte

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