Full text: Kritische Zeitschrift für Rechtswissenschaft (Bd. 2 (1827))

GrooS, Beding, des Jrrseyns. 291
der Todesstrafe eine objective Meibt,. worüber 9lcf. in Bezie-
hung auf die vom Derf. beigebrachten unterstützenden Gründe
nur noch Weniges zu erinnern hat. Wie triftig auch die übri«
gen für die Zulaßigkeit der Todesstrafe angenommenen Princi-
pien bestritten worden sepen, wie viel sich auch gegen die
Rechtlichkeit der Todesstrafe sagen , lasse; ihre, politische Noth-
wendigkeit hat man nicht laugnen können, und diese darf für
das Criminalrecht Grundsaz werden, weil, wie der Staat
selbst, so jedes Mittel das seine Zwecke fordert, eine unbe-
dingte Forderung der Vernunft ist. Auch ist eS keine Zncon»
sequenz, wie Hr. GrooS meint, daß man den Wahnsinnigen
überhaupt, und auch den nach der That irr Gewordenen nicht
tödtet, denn nicht die Tödtung an sich ist Zweck, und politi-
sche Nolhwendigkeit, auch nicht durch das so sehr verpönte
Princip der Abschreckung laßt man sich dabei leiten, sondern
die Strafe mit dem Tode ist Zweck, d. h. die Realisirung
des auf die Vernunft basirten Staatszwecks gegen ein mit Ver-
nunft begabtes, in die Vertrage des Staats eingehendesMit-
glied desselben. — Dem theologischen Einwurfe gelte Folgen-
des: Dem Menschen das Leben rauben, das durch, seine be-
dingende Beziehung zum Leben jenseits einen unendlichen Werth
hat, ist ein Frevel gegen das Heiligste, .wenn eS der Einzelne
in egoistischer Absicht, oder mit sclbstgeschaffenem Zwecke gegen
den Einzelnen ausübt: aber es gibt höhere, göttliche Zwecke,
und ein solcher ist die Wohlfarth von Millionen, die Aufrecht-'
Haltung deS Staats, für deren Förderung ein Menschenleben
nicht heilig genug ist, und ein sündiges Menschenleben im Tode
geheiligt wird. Zn diesem Sinne wird die vox reipublicae
vox Dei, darum erhebt sich keine mißbilligende Stimme gegen
das polizeiliche Sterbenlassen, z. B. in der Quarantaine
bei Pesten, darum begeistert die Zdee des Selbstmords für ei-
nen höhern, nicht egoistischen Zweck, der Tod fürs Vaterland,
Krit. Zeitschr. II. 2. 9

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