Full text: Kritische Zeitschrift für Rechtswissenschaft (Bd. 2 (1827))

284' Gerichtliche Medizin.
und weiter gehend in seiner gegenwärtigen Schrift dem Skepti-
cismus das Loos der Verbrecher vertrauen wollen. — In
Heinxoth's modificirter Freiheitslehre bleibt der Verbrecher
nach, wie vor, unfrei. Ist e? aber nicht möglich, ist es durch
Ennemoser's Section der Mörder Moll und Dieter nicht
entschieden dargethan, daß die Organisation zur Vernunft, die
Vasts, welche den Grad und die Art ihrer Wirksamkeit be-
dingt, in manchem Menschen von der Norm abwciche? Gibt
es nicht Grade von BewUßtsepn zwischen dem Simpes und dem
Ideal? Heißt „Entwicklung zur Vernunft" nicht stufenweise
Annäherung zur Reife derselben? — Der Mensch besizt Frei-
heitstrieb, er ist in der Idee, aber nicht in der That frei;
es folgt aus seinem Freiheitsgefühle nur, daß er anders hatte
handeln sollen, aber noch nichts daß er anders hatte handeln
können. Diesen Freiheitstrieb beurkundet'auch beim Verbre-
cher der me fehlende dunkle Vorsatz, einst besser zu werden'/
aber Fleisch und Blut/ Sinnlichkeit, unrichtige Vorstellungen
binden denselben. Es wollen also alle Menschen das Gute,
aber nur wenige durch günstige Verhältnisse Ungebundene voll-
bringen dasselbe. Wenn Heinrvth und Mittermaier,
durch eine ähnliche Ansicht bestimmt, sich erklären, nicht die
unfreie Handlung, sondern der Zwang zum Handeln sep es,
waö dem Verbrecher imputirt werden müsse; so mögen sie be-
denken, daß sie damit nicht dem Mündigen, sondern dem noch
Unmündigen, der den ersten Anfängen der Sünde nicht wider-
stand, das Verbrechen zurechnen. —- Das Wort Ei nwi! li-
gung heißt mehr, als der blose Wille; es ist ein zusammen-
gesezter Akt aus dem Willen und dem Verstände, (der Ver-
stand billigt in der Einwilligung den Willen, und jener tritt
dabei auf die Seite des Verstandes,) und wie sehr wird also
die Bedeutung dieses Wortes geschmälert beim schwachen Ver-
stände des Unmündigen, beim unkultivirten des Nohen! Und,

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