Full text: Kritische Zeitschrift für Rechtswissenschaft (Bd. 2 (1827))

282 Gerichtliche Medizin.
werben.. Aber eS ist dabei zweierlei zu bedenken. Einmal,
wenn es auch wahr ist, „daß der Mensch stets in Gott leben
soll, daß er e'S kann, weil er frei ist, und nur nicht will,
wenn er cs nicht thut;" so ist dieses Streben nach einem Idea-
len offenbar nur Ausgabe für die Quintessenz der Menschheit,
nicht aber für ihr Sediment..-Nur Weise können, auch in^ un-
richtigen Begriffen erzogen, das WillenSvcrmögen aus sich selbst
kultiviren, gegen die nicht Auserwählten aber wäre summimv
jus summa injuria, sind dann, Mt der Jmmoralitat ist da»
Jrrseyn. noch nicht erklärt noch gegeben; denn wäre dieß, wo
fände sich ein Grenzpunkt zwischen Seelengestörten- und Ver-
nünftigen? Nach Heinroth'S absoluter Freihcitslehre sind wir
alle Unfreie, Sündige, aber sind wir auch alle Irre? Auch ist
H-'S Unterscheidung zwischen unfreiem und gebundenem Zu-
stand nicht in der Natur gegründet, denn z. B. beim Fieber-
delirium kann er den einen so gut, als den andern, zugcben.
Es muß vielmehr ein Dritte», und zwar ein organisches Mo-
ment dazu kommen, was die Grenze bestimmt und die Selbst»
bestimmungsfahigkelt aufhebt, und es folgt, daß die lezjere mit
der absoluten, metaphysischen Freiheit nichts zu schaffen hat,
und daß nicht dieser, sondern jener Gegenwart oder Mangel
daS Wesen der Seelenstörung ausmacht, und das Criterium
wird für den vom Organismus aus gebundenen oder un-
gebundenen Zustand. In ersterm folgt das Denken, Füh-
len und Wollen nach einem körperlichen Motive, in lezterm
liegt das Motiv unmittelbar in der Seele-selbst und ist geisti-
ger Art. Heinroth selbst muß in der Anwendung feiner Leh<
re untreu werden, indem er durch Beschränkung von außen,
also offenbar vom Organismus aus, ferner' durch Wiederer-
weckung alter Leidenschaften, d. h. homöopathisch durch Immo»
ralität, das Moralische im Menschen Herstellen will! — Jm-
moralitat wäre demnach bei Seelenstörung nur diSponirenbr

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