Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 3 (1856))

8. Küssnacht, Ueber das Maß des Schadenersatzes

72 Nußbaumer: lieber das Maß des Schadenersatzes.
Heber das Maß des Schadenersatzes. - Inauguraldissertation von Gott-
fried Nußbaumer von Küssnacht. Zürich, Druck von Zürcher und
Furrer. 1855. 109 S.
Eine gut geschriebene und durch die Frische ihres Tones an-
ziehende, der staatswissenschaftlichen Facultät der Universität Zürich
cingereichte Inauguraldissertation. Sie stellt die Lehre vom Maße
des Schadenersatzes aus dem römischen Rechte dar, und verräth ein
anerkennungswerthes Studium desselben. Das Gewicht, welches der
Vers, auf das römische Recht auch für die Länder legt, wo es keine
gesetzliche Autorität hat, ist um so erfreulicher, als dasselbe gerade
in seinem Vaterlande nicht immer die ihm zukommendc Beachtung
findet. Die Aufgabe, welche der Vers, sich gesetzt hat, ist näher die:
zu bestimmen, welches der Inhalt zur Verpflichtung des Interesse
sei, oder wie er sagt, des indirectcn Interesse, indem er sich an einen
auf jeden Fall nicht quellenmäßigen Sprachgebrauch anschließt der
das Interesse dem Schaden gleichstellt, und das eigentliche Interesse
nur als besondere Art das Interesse auffaßt. Was der Verf. über
diese Frage beibringt, kann sich nun allerdings weder an Vollstän-
digkeit noch an Richtigkeit mit den von M o m m s e n in seiner (auch
in dieser Zeitschrift II. S. 525 ff. angezeigtcn) Schrift über das In-
teresse gegebenen Ausführungen vergleichen, eine Schrift, welche der
Verfasser noch nicht gekannt hat. Was die Vollständigkeit angeht, so ver-
weise ich, um nur das Hauptsächliche zu nennen, auf dasjenige, was
Mommsen über den Fall sagt, wo der angerichtete Schaden von dem
Beschädigten hätte vermieden werden können und wo er in der Culpa
eines Dritten seinen Mitgrund hat (S. 157ff.), ferner über den ent-
behrten Gewinn insbesondere (§. 17), über die Compensation von Scha-
den und Gewinn (§. 18), über Zeit und Ort, wonach das Interesse zu
berechnen ist (§. 19), über die Schätzung desselben (§. 20). An einer
wesentltltchen Unrichtigkeit leidet die vom Verf. ausgestellte Theorie inso-
fern, als er nicht bloß verlangt, daß der zu ersetzende Schaden mit der
zum Ersatz verpflichtenden Thatsachc überhaupt in einem Causalne-
xus stehe, sondern auch, daß dieser Causalnexus ein „gewöhnlicher,
ordentlicher" sei, „wie ihn so der Lauf des Lebens und des Verkehrs
mit sich bringt"; „er muß nicht durch außerordentliche, seltene Zu-
fälligkeiten und Einflüsse, an die kein Mensch denkt, vermittelt sein."
Also die alte Lehre, daß der unvorhergesehene Schaden nicht ersetzt
zu werben brauch", hier nicht einmal gemildert durch eine zu Gunsten

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