Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 3 (1856))

6. Schmidt, Methode der Auslegung der Justinianeischen Rechtsbücher

56 Schmidt: Methode der Auslegung der Justin. Rechtsbücher.
Folgende Annahme dürfte alle Schwierigkeiten heben: Ein
Schiff ist auf Hin- und Rückreise befrachtet.
Kap. 69: Auf der Hinreise (vom Abgangsorte auö) verkauft
der Schiffer einen Theil der Ladung — diesen muß er nach dem
Einkaufspreise (dem Werth am Abgangsort) ersetzen, und erhält keine
Fracht, weil der Befrachter keinen Vortheil von dem Transport hat.
Vom Abgangsort aus betrachtet, erscheint natürlich die auf der
Hinreise zurückzulegende Strecke als jene (halbe) Sette der See
(Seefahrt), denn je weiter das Schiff fährt, je mehr entfernt eö sich
von der Ladestelle.
Kap. 70: Der Schiffer hat Rückfracht eingenommen, und ver-
kauft Retourladung auf der Rückreise (dieser halben Sette der See,
weil er sich auf der Rückreise dem Abgangsorte wieder nähert); diese
hat er nach ihrem Werth am Markt (d. h. dem Bestimmungsort,
welcher zugleich der ursprüngliche Abgangsort) zu ersetzen. Der Be-
frachter erhält also ebenso viel, als wenn er die Maaren selbst empfan-
gen hätte, und darum muß er volle Fracht zahlen.

Methode der Auslegung der Juftinianeifchen RechtSbucher und
Prüfung der bisher befolgten Methoden, von F. (7. Schmidt, vr. phil.,
Präsident des königl. OberappcllationSgcrichtS für die Herzogthümcr Holstein
und Lauenburg u. f. w. Kiel 1655. 185 Seite» 8.
Auf die vorliegende Schrift mögte Ref. zunächst schon ihres
Verfassers wegen die Aufmerksamkeit hinlenken. Es ist der ehrwür-
dige Präsident des ehemals höchsten Gerichtshofes für die Hcrzog-
thümer Schleswig-Holstein und Lauenburg, welcher uns am Abend
seines thättgen Lebens mit dieser Bearbeitung einer ganz primären
theoretischen Frage beschenkt. Jener Gerichtshof war seit seiner
Gründung, in guten und bösen Tagen, der Stolz und die Stütze
der genannten Länder; natürlich, daß nach der Auslieferung Schles-
wig-Holsteins an Dänemark seine Competenz auf Holstein und Lauen-
burg beschränkt, und dem Herzogthume Schleswig mit den übrigen
auch dieses gemeinsame Gut entrissen wurde. Und eben jetzt, wo
die vorliegende Schrift ihren Lauf durch die deutsche Juristenwelt
begonnen hat, ist ein neues Schicksal über ihren Verfasser und das
von ihm geleitete Tribunal hereingebrochen: plötzlich, ohne Ur-

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