Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 3 (1856))

45. Bähr, Die Anerkennung als Verpflichtungsgrund

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Bahr: Die Anerkennung als VerpfltchtungSgrund.

motivirt, und übrigens im gelehrten Publikum der rege Wunsch er-
weckt werden sein, daß der Herr Vers, in nicht gar zu ferner Zeit
mit den vcrheißnen Spccialwerkcn die germanistische Literatur
bereichern möge. — Michaelis.

Die Auerkennung als Nerpflichtungsgrund. Civilistische Abhandlung
von Otto Bähr, ObcrgcrichtSrath zu Fulda. Caffel, Bertram 1855.
Die vorliegende Schrift nimmt eine bedeutende Stelle in der
neueren juristischen Litteratur ein. Sie ist mit Scharfsinn und Talent
geschrieben, von einer liebenswürdigen Wärme belebt.
„Mochte man, ruft der Vers, am Schluß seiner anziehenden Dar-
stellung aus, den Werth der hier auSgeführten Lehre an ihren Früch-
ten erproben. Mochte man deö wohlthätigen Schutzes inne werden,
den sie über das gesammte Obligationenrecht zu verbreiten vermag
und vor allem sich überzeugen, daß sie dem Recht entspricht, wie eS im
Volk lebte. Täusche ich mich nicht, so ist die Praxis bereits in einem
Uebergang zu dieser Lehre begriffen. Ob dieser aber leicht und schnell,
schwer oder langsam sich vollenden wird, mochte vor allem vom Ver-
halten der Theorie abhängen."
Unsere Wissenschaft aber ist eine strenge Herrin. Wer ihr dient
darf sich nicht befangen lassen durch die scharfe Waffe der Dialektik,
nicht verlocken durch schmeichelnde Vorstellungen. Wie gerne wir
dem Verf. auf seinen Pfaden folgen mögen, nur zu bald werden wir
inne, daß er vom rechten Weg abirrt. Seine Resultate sind theore-
tisch nicht zu begründen, und ihre praktische Durchführung scheint unö
wenigstens in der Schroffheit mit der er sie geltend macht, verderblich
So wichtig die Sicherheit im Rechtsleben ist, wichtiger ist materielle
Gerechtigkeit.
Die Anerkennung, wie der Verf. seinen Gegenstand benennt,
oder das Geständniß, wie man den Begriff nicht selten den Quellen
gemäß bezeichnet, ist im Rechtsleben von größter Bedeutung. Dar-
über kann ein Zweifel nicht bestehen.
Es liegt in der Natur der Sache, daß dann, wenn ein
überlegter willensfähiger Mensch dem Berechtigten gegenüber die
Existenz einer Verpflichtung eingesteht oder anerkennt, eine starke
Vermuthung für das Bestehen derselben eintrttt. Das Recht wird

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