Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 3 (1856))

406 HtnschtuS: Das landesherrliche Patronatrecht.
reichung jenes Zweckes anlangt, so gehören diese überall dem äuße-
ren Leben an, und fallen somit in das Gebiet des Staates. Sowie
der Staat, obgleich er schon im eigenen, rechtbegriffenen Interesse
sich wohl hüten soll, die Freiheit des Verkehrs, aus
übertriebener Angst vor Gefahr, durch polizeiliche
Aufsicht überall zu lähmen, dennoch, wo es vernünftiger Weise
nöthig ist, von jedem Vereine Rechenschaft über dessen Statuten,
über die Grundsätze, nach denen der Verein regiert und die Veretns-
angelegenheiten verwaltet werden sollen, fordern und seine Genehmi-
gung dieser Grundsätze abhängig machen kann von den Bedingungen,
die er für nothwendig erachtet, damit die Erreichung des StaatSzweckes
selbst dadurch nicht gehindert werde; ebenso kann und muß er dies
AlleS auch in Betreff der Kirche, wenn die Möglichkeit, seinen Zweck
zu erreichen, d. h. im äußeren Verkehre Ruhe und Ordnung oder
das rechtliche Gleichgewicht aller Staatsbürger gegen einander und
die Harmonie dieses Verkehrs zu erhalten, nicht schlechthin von dem
Gutbefinden der Kirche abhängig werden soll. Eine Religion, d. h.
den Glauben kann der Staat gar nicht verbieten oder beschränken.
Vernunft- und rechtswidrig würde es daher auch sein, ste verbieten
zu wollen. Denn der religiose Glaube gehört dem Herzen an, aus
welchem er stammt und worüber der Staat keine Gewalt hat oder zu
üben vermag. Hingegen bei dem Cultus, durch welchen der Glaube
seinen Ausdruck und das religiöse Bedürfniß seine Befriedigung im
geselligen Verkehre sucht; bei dem kirchlichen Vereine, der zum Zwecke
dieses Cultus geschloffen wird, handelt es sich, wie bet allen Rechten,
um äußere Mittel zur Erreichung unserer Zwecke, und um das gegen-
seitige Aufetnandertreffen der Menschen in deren Gebrauche, worüber
der Staat, und nur dieser allerdings Gewalt von Vernunft- und Gottes-
wegen hat. Auch das Recht des Menschen auf sein Leben ist ein an-
geborenes und unverletzliches, welches besonders aus dem Standpunkte
christlicher Moral, die das Leben als ein Geschenk Gottes betrachtet,
sehr wohl mit dem Rechte eines Jeden auf seinen rcligösen Glauben
und dessen Freiheit verglichen werdm kann. Aber läßt sich daraus
etwa auch ein Recht auf den Gebrauch jedwedes Mittels zur Er-
haltung des Lebens, oder gar schon zur Verbesserung der Lebensum-
stände z. B. ohne Rücksicht auf das Eigenthum Anderer und auf die
allgemeine Ordnung des geselligen Verkehrs, also ein Recht aus Raub,
Diebstahl, Betrug u. s. w., ein Recht, die gesellige Ordnung um

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