Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 3 (1856))

36. Abegg, Die Preußische Strafgesetzgebung und die Rechtsliteratur

388 Abegg: Die prenß. Strafgesetzgebung und die Rechtslitcratur.
der Formelwerke auf Gegenstände rechtlicher Natur beschränkt wurde,
vergl. S. 81.
Das Bedürfniß nach solchen Büchern mehrte sich durch die Zu-
nahme des Gebrauches des römischen Rechts. Die Formelwerke zeigen
wohl am Genauesten dessen allmäliges Wurzelfassen in Deutschland.
Von ihnen kommen bald zwei Arten vor. Einmal finden sich
noch solche, die für Leute bestimmt sind, welche gewerbsmäßig Ur-
kunden auszufertigen haben. Diesen Formalien blieb bis auf die
fehlende rhetorische Einleitung im Wesentlichen der frühere Character,
wenn gleich dieselben manchmal deutsch geschrieben werden, hier und
da auch des leichteren Gebrauches wegen in alphabetische Form ge-
bracht sind. Aus der Rhetorik behielt man übrigens mitunter die
Abhandlung über Titulaturen und Eurialien bei, ebenso, jedoch sel-
tener, kurze Regeln der Briefstellerei. Siehe Rockinger S. 87 ff.
Außerdem entstehen nunmehr aber auch populäre Formel-
büchcr, welche ans daö große, nicht juristische Publikum berechnet
sind. Sie erscheinen regelmäßig in deutscher Sprache und finden seit
der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts in zahlreichen Drucken
Verbreitung. Das bekannteste Werk dieser Art rührt von einem Frei-
burger Stadtschreiber Niederer aus dem Jahre 1493 her. Titu-
laricn, Bricfmuster, eine kurze Besprechung rhetorischer Lehren, Ur-
kundenformularien, nicht selten auch theoretische, juristische Darstel-
lungen mit angehängten Formeln bilden den Inhalt dieser Bücher.
Hiervon handelt Rockinger S. 97ff.
In einem Anhänge giebt der Verfasser eine Uebcrsicht des von
ihm benutzten Materials, welches er, wie bereits bemerkt, haupt-
sächlich der Handschriftensammlnng der Münchener Bibliothek ver-
dankt. Auch dem Pertz'schen Archiv für ältere deutsche Geschichts-
kunde entlehnte er manche Nachweisungen. Schließlich erleichtert ein
ausführliches Register den Gebrauch der tüchtigen Abhandlung.
Hillebrand.

Die Preußische Strafgesetzgebung und die Rechtsliteratur in
ihrer gegenseitigen Beziehung. Von Ab egg. Berlin 1854. S. 132.
Wir haben hier einen Separatabdruck auö dem rühmlichst be-
kannten Gvltdammer'schen Archiv für preußisches Strafrecht, und
wenn die Aufnahme gerade dieser Art von Arbeiten in eine perio-

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