Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 3 (1856))

30. v. Mohl, Die Geschichte und Literatur der Staatswissenschaften. Erster Band

Mohl: Geschichte und Literatur der Staatswissenschaften. 287

Die Geschichte und Literatur der Staatswiggen-
scliaften. In Monographien dargestellt von Robert von Mo hl.
Erster Band. Erlangen, Verlag von Ferdinand Enke. 1855. 8. 599.*)
Unter uns welschen Kritikern ist es Handwerksbrauch, unsere
Arbeit mit einem Streit um des Kaisers Bart zu beginnen. Auf
den bloßen Titel eines Buchs hin machen wir uns ein Ideal davon,
die Sache ist ja so leicht, wenn man nicht selbst Hand ans Werk
zu legen hat. Da natürlicher Weise die Arbeit des Verfassers dieser
schonen Chimäre nicht entspricht, fallen wir über ihn her und werfen
ihm vor, nicht dem Plane nachgegangen zu sein, der uns so plötzlich
durch den Kopf fuhr. Ich bekenne mich der Erbsünde aller franzö-
sischen Kritiker schuldig, vielleicht schützt mich dies Bekenntniß davor,
dieses Mal in den Fehler zu fallen. Jeder Schriftsteller hat doch
in letzter Instanz selbst zu entscheiden, was er dem Publikum geben
kann und will. Ist das Gegebene gut, so seien wir dankbar dafür
und begnügen uns mit dem Guten bis das Bessere kommt.
Ganz vollständig hat jedoch Bekenntniß und Reue bei mir
nicht gewirkt. Ein wenig alten Sauerteigs ist noch nachgeblieben
und bricht mir selbst zum Trotze durch. Wir in Frankreich und
Belgien machen sehr hohe Ansprüche an die Form eines Werkes.
Form ist uns nicht bloß die Schreibart, sondern auch die Anordnung
und Vertheilung des Stoffs. Wir verlangen etwas Abgeschlossenes,
Abgerundetes. Der Autor muß deshalb sein Material gehörig durch-
sieben und seinen Lesern gleichsam nur das feinste Mehl vorsetzen.
Wir finden bet allem Respect vor der deutschen Wissenschaft, daß sie
etwas schwer verdaulich ist. Die deutschen Schriftsteller, wenn wir
uns dieses Bildes bedienen dürfen, bringen AlleS, was sich bei ihnen
in und Keller findet, durcheinander auf die Tafel. Saftige
Speisen und feine Getränke genug, aber neben altem Johannisberger
jungen Moscler, und AlltagSgemüse zum feinsten Wildpret. Man
muß sich die Mühe machen, auszuwählen, hier zu nehmen, dort

*) Wir verdanken diesen Beitrag Herrn Professor Laurent in Gent, dem Ver-
fasser der ausgezeichneten Hisloire du droit des Gens. Leider war cs unmöglich,
die ganze umfangreiche Arbeit mitzutheilen. Für die Uebersetzung und die Auswahl
des vollständig Mitgetheilten, sowie für das Referat aus dem Uebrigen, sind wtp
verantwortlich. M.

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