Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Dkuntschlt: Privatrechtliches Gesetzbuch für den Kanton Zürich. 21
zu finden, in seiner Staats- und Rechtsgeschichte Zürchs. Aber auch
für den wissenschaftlich gebildeten Praktiker Zürchs hat der Kommen-
tar wenig oder gar keine Bedeutung. Mittheilungen aus den Pro-
tokollen der Kommission finden sich nur äußerst spärlich. Eine voll-
ständige officielle Herausgabe der Kommissions-Protokolle
ist keineswegs durch diesen Kommentar entbehrlich geworden, und es
wäre sehr zu wünschen, daß eine solche beschlossen würde. Wo der
Text des Gesetzes eine wirkliche Lücke, einen auch dem Juristen
von Fach unverständlichen Punkt, einen Anlaß zu einer praktisch be-
deutungsvollen Kontroverse enthält, da sucht man in der Regel ver-
gebens nach einem Ausspruch des Redaktors in seinem Kommentare.
Es ist dies übrigens völlig erklärlich. Denn gerade der Redaktor eines
Gesetzes ist gewiß am wenigsten in der Lage, gleich von vornherein,
noch ehe die praktischen Fälle sich wirklich ereignet baden, bei denen
eine Lücke desselben hervortritt, diese Lücke zu entdecken. Hätte er sich
die betreffenden Fälle vergegenwärtigt, hätte er die betreffende Frage
für zweifelhaft und praktisch wichtig gehalten, so wäre ja ganz sicher
die betreffende Lücke gar nicht entstanden. Man kann zugeben, daß
der Redaktor eines Gesetzes, wenn es erst einmal die Probe der Praris
paffirt hat, wenn die Fälle des Lebens seine Unvollkommenheiten und
Lücken bloß gelegt hat, der geeignetste Arzt sei, diese Mangel zu heilen;
bis dahin aber fehlt gerade ihm mehr als Andern die notbwendigste
Voraussetzung jedes Heilverfahrens, die Kenntniß des Gebrechens.
Ucbrigens kann bisweilen auch dann der Redaktor eines Gesetzes leich-
ter, als Andere, irre gehen, wenn ihm auch wirklich der Zweifel,
den die von ihm gegebene Form des Gesetzes bietet, zum Bewußtsein
gekommen ist. Vielleicht hat der Gesetzgeber (in unserem Falle das
souveräne Volk, repräsentirt durch den Großen Rath) diese Fassung
nur deßhalb zugelassen, weil sie gerade für seine vom Redaktor we-
sentlich verschiedene Meinung Raum ließ, weil der Redaktor die eigene
Ansicht nicht deutlich genug zu erkennen gab. In einem solchen
Falle ist gewiß der Redaktor wieder am wenigsten in der Lage, den
wahren Willen des Gesetzgebers zu erkennen. Ein höchst inte-
ressantes Beispiel eines solchen Falles bietet die bereits erwähnte völlig
neue Schöpfung des Instituts der Adoption dar. Nachdem im 1. Ka-
pitel des 2. Abschnitts des 2. Buches von der Entstehung der väter-
lichen Gewalt durch eheliche Geburt, durch lexitimstio per
sudseguens matrimonium und durch Ausspruch des Gerichts

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