Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 3 (1856))

16. C. R. Sachße: Das Beweisverfahren nach deutschem, mit Berücksichtigung verwandter Rechte des Mittelalters

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Gachßr: Da- Bnv ei-verfahren.

gegen sehen wir nicht ein, daß die I. 6 §. 3 D. d. N. G. direct für
den Vers, entscheide, wie er selbst meint.
Es ist in dieser Schrift daS Thema einmal von einer neuen
Sette behandelt worden; insbesondere läßt sich ein entschiedener in-
nerer Gegensatz zu der Grundanschauung, welche Ruhstrat in sei-
ner interessanten Abhandlung vertritt, nicht verkennen — und wir
sehen daher in der Letst'schen Schrift einen dankenswerthen Beitrag.
Die nächste Aufgabe der Bearbeitung wird sein, zwischen diesen Ge-
gensätzen daö richtige Verhältniß herzustellen. — Auch wenn wir dies
zweite Heft der „civilistischen Studien" mit dem ersten Hefte ver-
gleichen, müssen wir dem Verf. Gerechtigkeit widerfahren lassen. Es
ist ihm gelungen, praktisch zu zeigen, daß die von ihm theoretisch et-
was zu breit und blumenreich erörterte Methode zu fruchtbringenden
Resultaten führen kann — infoferne es sich nämlich weniger um die
Erkenntniß des specifisch Römischen, als um die Darstellung des leben-
digen Rechts der Gegenwart handelt. N. Stintzing.

C. R. Sachße: Das Beweisverfahren nach deutschem, mit Berücksichtigung ver-
wandter Rechte des Mittelalters. Erlangen, 1855.
Der gelehrte Verfasser sucht in dieser Schrift darzuthun, daß
das ältere deutsche Beweisverfahren, welches gewöhnlich als thöricht
und barbarisch bezeichnet wird, eine vernünftige, practische Grundlage
habe und im Ganzen einen solchen Vorwurf nicht verdiene. Wir
sind gleicher Meinung, wiewohl wir nicht verkennen, daß jenes Ver-
fahren keineswegs ein für die Gegenwart geeignetes sein würde und
in gar manchen Beziehungen unausgebildet erscheint; womit übri-
gens der Verfasser ebenfalls übcreinstimmen wird.
Das altdeutsche Beweisverfahren ist mehrfach zum Gegen-
stand von Monographieen gemacht worden, unter welchen die von
Planck in der Zeitschrift für deutsches Recht Bd. X. S. 205ff.
und die Inauguraldissertation von Jolly (Mannheim 1846) her-
vorgehoben zu werden verdienen.
Das vorliegende Buch zeichnet sich übrigens vor diesen beiden
Arbeiten durch größere Gründlichkeit und einen freieren Standpunkt
aus. In der ganzen Schrift gibt sich ein gewissenhaftes Streben
nach objectiver Wahrheit zu erkennen.
Das Buch hat freilich auch seine Mängel. So vermissen wir
an der Darstellung häufig präctse Kürze, welche bei der Behandlung

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