Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 3 (1856))

Bluntschli: Privatrechtliches Gesetzbuch für den Kanton Zürich. 11
Berlin als akademischer Lehrer wirkende vr. Friedrich Keller vom
Stetnbock, sollte'auch auf dem sonst von politischen Bewegungen we-
nig berührten Gebiete des Privatrechts dem Geiste der Neuerung
Rechnung tragen, und eine, wenn auch nur formelle, Umgestaltung
des Bestehenden zu Wege bringen. Eine seltsame Verkettung der
Umstände (die übrigens höchst ephemere Kontre-Revolution von 1839)
fügte es aber, daß die endliche Lösung dieser Aufgabe in die Hände
eines Mannes überging, welcher als ein entschiedener Anhänger des
konservativen Princips und als Gegner der radikal-liberalen Partei
angesehen wird, die seit 1841 wieder herrschende, wieder Regie-
rungs-Partei geworden und bis zur Stunde geblieben ist.
Schon im Jahre 1844 (Zürich, gedruckt bei Orell, Füffli u. Comp.)
erschien ein von Bluntschli selbstständig ansgearbeiteter: „Erster Ent-
wurf des privatrechtlichen Gesetzbuches für den Kanton Zürich", wel.
cher Personen-, Familien- und Erbrecht in drei Büchern
(§. 1 bis §. 94; §. 95 bis §. 504; §. 505 bis §. 734) auf
183 Oktavseiten umfaßte, und im 4. Abschnitt des ersten BucheS
§. 73 bis §. 94 zugleich das RechtSinstttut deS sogenannten geistigen
Eigenthums oder Autoren-Rechtes behandelte. Von dieser letztern
Materie, sowie von dem gesammten Erbrechte wurde jedoch gänzlich
abstrahirt, in einer später» Umarbeitung, welche aus den Berathungen
durch eine „engere und weitere Gesetzgebungs-Revisions-Kvmmiffion"
hervorging und im Jahre 1847 ebenfalls im Drucke erschien. Die-
ser zweite, bloß Personen- und Familienrecht umfassende Entwurf wurde
sodann im Frühjahr 1853 gemeinsam mit Bluntschli einer
nochmaligen gründlichen Besprechung durch die Gesetzgebungs-Revt-
sions-Kommisston unterzogen, nachdem diese inzwischen vom großm
Rathe von Neuem, und zwar absichtlich mit Männern der verschie-
densten politischen Farbe besetzt worden war. In gleicher Weise
wurde von dieser'Kommission im Herbste 1853 ein von Bluntschli
schon.1851 vollendeter und im Druck erschienener Entwurf deS Sa-
chenrechts, und seit Frühjahr 1854 der Entwurf des Obligationen-
rechts (zuerst im Jahre 1852 von Bluntschli zum Drucke befördert)
in Berathung genommen. Die Sitzungm dieser Kommission wurden,
damit der Redaktor daran Theil nehmen könne, vorzugsweise nur
während der Münchener Universitätsferten abgehalten. Den 2. April
dieses Jahres haben sie wieder begonnen und sind bis zum 28. April
ununterbrochen fortgesetzt worden.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer