Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 3 (1856))

13. C. Reinhold Köstlin's System des deutschen Strafrechts. Erste Abtheilung. Allgemeiner Theil

(?. Reinhold Köstlin'S Stiftern deS deutschen Strafrechts. Erste
Abtheilung. Allgemeiner Thcil. Tübingen, H. iaupp'schc Buchhandlung. 1855.
Köstlin's Schriften haben viel Licht und viel Schatten; er
scheut das Halbdunkel der Gefühlsjnrisprudenz, die sich im Gebiete
des Criminalrechts so breit macht, und den vorsichtigen diplomatischen
Ausdruck der Unentschiedenheit. So wie er austritt, kann eS nicht
fehlen, daß er die Einen kräftig anzieht, die Andern heftig abstößt.
Ein neues Werk von ihm hat immer eine Bewegung unter den Cri-
minalisten zur Folge und einen Kanipf über Hauptfragen der Straf-
rechtswissenschaft, dessen Resultate für die Wissenschaft bald augen-
scheinlich werden. Er darf darin eine Befriedigung finden, die ihm
wahrscheinlich reichlich aufwiegt die heftigen Angriffe der Blindschlei-
chen und Fabrikanten von Quasi - Recensionen, die nur dcßhalb der
wirklichen Kritik voraneilen können, weil sie die Kunst verstehen,
auch schwere Bücher zu benrthcilcn, ohne sie gelesen zu haben und
ohne sie zu verstehen. Köstlin hat die Mittel verschmäht, durch die
man sich den kritischen Lorbeer sichern kann. Er gehört keiner Be-
wundernngsaffociation an und keiner Cotcrie, deren Genossen sich ge-
genseitig mit Weihrauch bewuchern müssen und Jeden, der eS wagt,
außer ihrem Kreise etwas bedeuten zu wollen, schnöde abfertigen.
Daß er diese Folge seiner Selbstständigkeit kennt, zeigt ein Satz der
Vorrede des vorliegenden Werkes.
Im Jahr 1838 schickte Köstlin seine erste größere Leistung
im Bereiche des materiellen Strafrechts, die „Lehre vom Mord und
Todtschlag", mit der brilliantcn Vorrede in die Welt. In der Aus-
führung im ersten Thcilc dieses Werkes, dem kein zweiter gefolgt ist,
rechtfertigte er die Erwartung von der Anwendung der Spekulation
auf das Strafrecht nicht in dem Grade, wie man sie nach der Vor-
rede fassen konnte. Nach einigen Jahren erschien seine „neue Revi-
sion der Grundbegriffe des Criminalrechts" (1844—45), die, auf dem
Boden der „speculativen Philosophie" stehend, diejenige Reform des
Straftechts bringen sollte, welche Feuerbach vom Lager der „kri-
Krit. Zeitschrift für gesammte Rechtsw. HI. Bd. ^0

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