Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 5 (1859))

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Stlnj: Lehrbuch der Pandekten.

hefteten; tn seinem Muthe liegt sein Hauptverdienst. Brtnz scheint
sich freizumachen von einem Standpunkte, der nun bald hinter unS
liegen wird; sein Gang strebt vorwärts, aber noch hält das Alte oder
hinter ihm Liegende seinen Blick gefesselt; so ist Rück- und Fortschritt
tn seiner Bewegung seltsam gemischt. Brinz fühlt das Bedürfniß
des Neuen, aber es mangelt ihm an demselben Muthe für das Neue,
welchen er dem Alten gegenüber bethätigt hat; seinem Muthe des
Abbruchs kommt nicht gleich sein Muth des Neubaus. So steht er
zerrissenen Herzens zwischen Altem und Neuem — wie unsre
Doktrin. Einen Augenblick scheinen beide Mächte gleich stark, der
Kampf ist unentschieden: dieser Moment des controversen Gleichge-
wichts hat sich in Brtnz persönlich fixirt; das scheint mir sein lite-
rär-geschichtliches Factum, und in seinem Werke hat sich des Urhebers
Lebensprinzip objektivirt. — Unter diesem Gesichtspunkte wollen wir
das Werk betrachten.
Eine Zeit lang herrschte die in zahlreichen Auflagen erschienene
ckurisprudentia Romana des Herm. VUltejus, die ckurispruäenti»
forensis des E. A. Struve und die doctrina Pandectarum von
Ludovtci, später Höpfner's Commentar und Hellfeld's «Ju-
risprudentia forensis, auf diese aber folgte das Prinzipat von Thi-
baut und Macke!dey, und nachdem hat Puchta's Pandekten-
lehrbuch denselben Platz eingenommen, welchen ihm kein neueres Werk
streitig zu machen vermocht hat, auch Seuffert, v. Bangerow
oder Arndtö nicht, welche neben Puchta jetzt am meisten den Pan-
dektenvorträgen zu Grunde gelegt werden. Puchta ist so scharf und
bündig, wie keiner vor oder nach ihm, und um dieser Vorzüge willen
hat man sich bis jetzt gern oder ungern seinen Individualismen un-
terworfen. Dennoch wankt seine Herrschaft, weil immer mehr er-
kannt wird, wie einseitig romanistisch Puchta's ganze, den rvm.
Juristen „kongeniale" Geistesanlage ist, und das moderne Verkehrs-
wesen, welches tn dem Hauptstücke der civilistischen Dogmatik sich
wtederfinden will, in dem römischen Reckte nur das eine Element
seines Totalbestandes hat. Dieser selbige Grund ist es aber, welcher
zugleich verhindern wird, daß Seuffert, v. Bangerow oder
Arndts je in Puchta's Prinzipat einrücken können. Sintcnis
ist zu ausführlich, um hier in Betracht zu kommen, er könnte etwa
das Handbuch von Schweppe zu ersetzen fähig sein; Schmtd ist
auf halbem Wege sitzen geblieben, dem B ö ck i n g 'schen Werke droht,

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