Full text: Volume (Bd. 4 (1857))

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bur neuesten civilistischen Literatur.

nach Beseitigung des Formularproeeffes schritt die Assimilation zwi-
schen Stipulationsurkunden und einfachen Schuldscheinen immer
weiter vor, und im Justinianischen Recht kann man sie als vollen-
det erkennen, theils in einzelnen gelegentlichen Aussprüchen, theils
und vorzüglich darin, „daß auf beide die oxeeptio non numerata«
peouniae mit der ihr eigenthümlichen Befristung angewendet wurde."
Denn fehlte in der Urkunde die Stipulationsklausel, „und es trat
nun doch mit Ablauf der Erceptionsfrist die Verpflichtung ohne
Rücksicht auf die Frage, an peounia numerata sit, ein: fo ließ
sich nicht mehr läugnen, daß hier etwas neues entstanden, daß
eine Verpflichtung lediglich durch die formelle Kraft der Urkunde
begründet sey." Dieß ist es, was Justinian ausspricht und aner-
kennt, indem er eine litterarum obligatio, nicht die ältere römische,
sondern den neuern Litteralcontraet, der in der Schuldurkunde
liegt, in fein System aufnahm, nicht aus Spielerei oder aus theore-
tischem Jrrthum, wildern wirklicher wenn auch nicht klar erkannter
Rechtsentwickelung gemäß. Der neue Litteralcontraet ist „keine
positive Schöpfung, sondern das Product des AbsterbenS der Sti-
pulationsform, welches besonders rasch in der Richtung vor sich
ging, wo in der Beurkundung ein praktisches Surrogat sich darbot.
Dadurch wurde das Willenselement, welches in dem einfachen
Schuldschein zwar schon früher vorhanden, aber gleichsam latent
gewesen war, frei und gelangte zur Wirksamkeit" (S. 138). —
„Ob aber dieser neuere Litteralcontraet als ein nach allen Seiten
vollendetes Institut zu betrachten, ob z. B. die Anfechtung des-
selben wegen mangelnder eausa praeeeüens an die Bedingungen
der condictio indebiti geknüpft worden sey, kann füglich dahin ge-
stellt bleiben. — Es mag auch jedem überlasten seyn, ob er von
einem wirklichen oder von einem Quasi- oder Pseudo-Litteralcon-
tract des neuern Rechts reden will. Die richtige Erkenntniß der
Verhältnisse ist von diesem Namen nicht abhängig" (S. 139).
„Zufolge des geschilderten Umwandlungsprocesses nahmen die
Anfechtungßmittel der Stipulation nunmehr ihre Richtung gegen
die an deren Stelle tretende Urkunde." So beginllt der Vf. das
Cap. VI., mit welchem sich (§. 38, 39) seine Darstellung der rö-
mischen Grundlagen abschließt. ES fragte sich vorerst, mit Be-
ziehung auf welche cauaa (subjectiv) stipulirt sey? Wer hatte den
Beweis zu führen, wenn die Urkunde über die eausa nichts er-

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