Volltext: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

lieber Irrungen im Contrahiren.

417

seiner objektiven Erscheinung linb interpretirt danach den
Willen beider Theile. Wessen Willen dieser objektiven Erschei-
nung nicht wirklich entsprach, der mag die Fiction seines Wil-
lens als Strafe seines Verschuldens hinnehmen. Man wird
daher den Satz, daß bei einem Streite der Parteien über den
Sinn eines Ausdruckes der fraglichen Art der Gebrauch des
Orts, wo contrahirt worden, entscheide, als Regel nur billigen
können. Der Preuße welcher (vor einigen Jahren) in Bremen
einen Kutscher für „10 Thaler" engagirte, hatte 10 Thlr. Gold
zu zahlen'^); denn er mußte wissen'^), daß in Bremen nach
Thalern Gold gerechnet wurde. Desgleichen wird man von
Jedem verlangen dürfen, daß er die technischen Ausdrücke eines
Gewerbes, in dessen Bereiche er contrahirt, so wie die Sprache,
in welcher er contrahirt, richtig verstehe. Wenn ein Deutscher sich
einläßt, in französischer Sprache zu contrahiren, und für eine
Waare den geforderten Preis von „quatre-vingt francs“ ver-
spricht, so wird er 80 Franken zahlen müssen, sollte er auch der
Meinung gewesen sein, quatre-vingt heiße 24. Wollte er das
nicht, so mochte er deutsch reden.
Die „Nichtigkeit" der Verträge wegen wesentlichen Jrr-
thums im Gegenstände beschränkt sich hiernach praktisch auf
solche Fälle, wo der Jrrthum schon in der objektiven Erschei-
nung des Contrahirens mehr oder weniger zu Tage tritt, so
daß sich das beiderseitige Verschulden resp. die beiderseitige

18) Das nimmt auch I. an, „wenn der Preuße erst nach Beendigung
der Fahrt erfahre, daß Thaler Gold gemeint gewesen seien". Wäre aber
der Vertrag nichtig, so würde der Preuße doch auch nach beendigter Fahrt
nicht 10 Thlr. Gold, sondern nur den (abzuschätzenden) Werth der Fahrt
zu entrichten haben.
19) Ueberall wo wir das Vorhandensein des Willens darauf zurück-
führen, „daß Jemand etwas habe kennen oder wissen müssen", — und die-
sen Gesichtspunkt wendet ja unter Umständen auch I h e r i n g (S. 77. u. 79.)
an - nehmen wir zu einem eventuell fingirten Willen unsere Zuflucht.

Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

powered by Goobi viewer