Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

12. Ueber Irrungen im Contrahiren

IX.

Heber Irrungen im Contrahiren.
Bon
»r. O. Bähr,
§ 1.
Es ist die gemeine Lehre, daß, wo zwischen Vertrags-
schließenden eine Willensübereinstimmung nicht vorhanden ge-
wesen, ein Vertrag nicht zu Stande gekommen, mithin auch
Rechte und Pflichten zwischen ihnen nicht entstanden seien.
Es soll dies namentlich gelten, wenn der eine Contrahent einen
höheren, der andere einen niedern Preis zu bedingen der Mei-
nung war. „Si decem tibi locem fundum, tu autem exi-
stimes quinque te conducere, nihil agitur“. So sagt Pom-
ponius in 1. 52 v. locati (19, 2), und nichts scheint auf den
ersten Blick natürlicher. Auch hat die Lehre noch ein beson-
deres Schwergewicht dadurch bekommen, daß Savigny*) aus-
sührte, in Fällen dieser Art (die er als Fälle des unechten
Jrrthums bezeichnet) komme es auf die Entschuldbarkeit des Jrr-
thums gar nicht an, da ein solcher Jrrthum vielmehr unbedingt
den nur scheinbar zu Stande gekommenen Vertrag vernichte.

1) System III S. 264. 444.

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