Volltext: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

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Victor Ehrenberg,

Rechte aus dem Versicherungsverträge gegenüber dem Ver-
sicherer, also nicht auf die sonstigen Pflichten eines getreuen
Geschäftsführers, insbesondere Rechnung abzulegen,
dem Versicherten von einer etwaigen Unsicherheit des
Versicherers Mittheilung zu machen und ihm die
Polize herauszugeben; über die letztere Pflicht siehe
nachher Nr. 3.
Der Verzicht wird selten ausdrücklich ausgesprochen-werden ;
daher kann es häufig fraglich sein, ob wirklich ein Verzicht
stattgefunden hat und wie weit er sich erstreckt 88).
Wenn der Versicherungsnehmer nicht die faktische Gewalt
über die versicherten Gegenstände hat, dann wird die bloße
Kenntniß des Versicherten von dem Abschluß der Versicherung
und dem Namen des Versicherers genügen, um den Versiche-
rungsnehmer der verschiedenen Anzeigepflichten, der Rettungs-
pflicht und der Schadensfeststellungspflicht zu entheben, falls
der Versicherte nicht ausdrücklich das Gegentheil erklärt. Daß
der Versicherte bereits in einen direkten Nexus zum Versicherer
getreten sei, ist nicht erforderlich. Anders, wenn der Versiche-
rungsnehmer die faktische Gewalt über die versicherten Gegen-
stände behält89). Hier wird selbst dann ein Verzicht auf die
Erfüllung der genannten Pflichten nicht angenommen werden
dürfen, wenn der Versicherte bereits in direkten Verkehr mit
dem Versicherer getreten ist, weil eine wirksame Erfüllung eben
nur durch den Versicherungsnehmer möglich ist.
Auch wenn im Uebrigen der Versicherte die Geschäfts-
führung selber übernommen hat, liegt hierin nicht ohne Wei-
teres ein Verzicht auf die Dienste des Versicherungsnehmers
88) Nach Voigt, S. 351, 471 sei dies anzunehmen, sobald der
Versicherte selber mit dem Versicherer in Beziehung, in den direkten Nexus
zu ihm getreten sei-
89) Vgl- oben S. 467, 469.

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