Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 30 = N.F Bd. 18 (1891))

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Unger,

Grundsätzen der L6x Aquilia bei Beschädigungen nur für
eigenes Verschulden haftet 5), kommt es hier auf eigene Thäter-
schast und eigene Schuld nicht an6) und muß der Habitator unter
Umständen für fremde Schuld büßen (plerumque ob alterius
culpam tenetur aut servi aut liberi sc. habitator. L. 5
§ 5 D. de 0. et A. 44. 7; § 1 J. obl. quae quasi ex de-
licto 4. 5)7). Gerade hierin aber liegt ein indirekter Zwang,
in der Beaufsichtigung der Wohnung, der Hausgenossen und
aller übrigen in der Wohnung befindlichen Personen8) die
größte Sorgfalt anzuwenden, um nicht jener strengen Haftung

s) G a j. in § 211.
6) Li. 1 § 4 D. h. t.nec adjicitur culpae mentio vel infitia-
tionis, ut in duplum detur actio, quamvis damni injuriae utrumque exiget.
Wenn es nun unmittelbar vorher heißt: culpa enim penes eum est (sc. qui
inhabitat, non penes dominum aedium), so kann dies nur heißen, daß
den Habitator die Verantwortlichkeit (die Schuld in abstracto) trifft, daß
ihm die Beschädigung schlechthin zur Last gelegt wird ähnlich wie in L. 91
§ 5 D. de V. O. 45. 1 (culpa in hunc modum dijudicatur); vgl. Per-
nice, Sachbeschädigung S. 227, Jhering, Schuldmoment S. 48 (Ver-
mischte Schriften S. 208).
7) Gajus und die Institutionen Justinian's sprechen hier be-
kanntlich von einem Quasidelikt. Allein diese Kategorie, welche in der gemein-
rechtlichen Literatur trotz vielseitigen Widerspruchs fortwuchert, ist ebenso wie
die Kategorie des Quasikontrakts verwerflich (vgl. Der n bürg, Pandekt. U
§ 6, Baron, Pandekt. § 209. 2io). Um so weniger ist es zu billigen,
wenn man diese beiden Kategorieen (oder auch nur diese „alten Namen") in
das ö st e r r. Recht hineinträgt, wie dies von K r a i n z - P f a f f, System II i
S. 43 S. 273 Note 20, und neuestens in der trefflichen Schrift von S ch e y,
Die Obligationsverhältniffe des österr. allgem. Privatrechts, Heft 1 (1890)
S. 9 geschieht: namentlich unpassend ist es, die Fälle der 88 1310 (aus-
nahmsweise Ersatzpflicht Unzurechnungsfähiger aus Billigkeitsgründen) und
1321 (deutschrechtliche Privatpfändung von Vieh) in die Kategorie der
römischrechtlichen Quasidelikte zu zwängen.
8) Aus L. 6 8 8 D. h. t. (Habitator suam suorumque culpam
praestare debet) läßt sich eine Beschränkung der Haftpflicht des Habitator
nicht deduziren, da das prätorische Edikt (L. l pr. h. t.) ganz allgemein
lautet. Vgl. Wendt, Pandekt. S. 663 Note 3.

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